Jan Josef Liefers
Peter und der Wolf
15.2.26
Epochenspiegel

Gackerten sie damals anders? Vogelkonzert von Cornelis Savtleven (zugeschrieben), 17. Jahrhundert.
Musiklupe
Gackern und Singen
Barockes in „Der Karneval der Tiere“In „Der Karneval der Tiere“ karikiert Camille Saint-Saëns zahlreiche Stile – auch solche aus dem musikalischen Barock. Deutlich wird das in der ersten Nummer nach der Ouvertüre: Jean-Philippe Rameaus (1683-1764) „La Poule“ (Das Huhn) mit seinem „Co-co-co-co-dai“ liefert das barocke Ur-Gackern, das Saint-Saëns in „Hühner und Hähne“ überdreht und beschleunigt.
Auch Saint-Saëns’ schnelle „Wildesel“ stehen in dieser Tradition der virtuosen Übertreibung. Ihr rasendes Klavierduett wirkt wie eine Parodie auf barocke musikalische Beweglichkeitsübungen – ganz ähnlich wie im Solfeggio von Carl Phillipp Emanuel Bach (1714-1788), ursprünglich eine Gesangsübung, die Saint-Saëns mit einem Augenzwinkern in sein zoologisches Panorama einbaut. Die mechanische Virtuosität des Solfeggios trifft auf die atemlose Raserei der Halbesel: barocke Technik als Witz mit Geschwindigkeit als Pointe.
Hörbeispiele:
Zitate
Man kann die Rufe bewundernder Freude nicht beschreiben, die am Samstag der Begeisterung des Publikums entsprangen. Es war eine wahrhaft beeindruckende Raserei. Im immensen Œuvre von Camille Saint-Saëns ist „Der Karneval der Tiere“ eines seiner großen Meisterwerke. Von der ersten bis zur letzten Note entströmt es ohne Unterlass einem Geist höchster und feinster Komik. Kein Takt, kein Moment ohne unerwartete und unwiderstehliche Einfälle. Themen, fantastische Ideen und Instrumentation übertreffen einander an Komik, Anmut und Kunstfertigkeit. Denn bei aller Verrücktheit steht die Konstruktion stets auf granitfestem Boden. Selbst wo er beliebt zu scherzen vergisst der Meister nie, dass er der Meister ist.
Aus einer Kritik zur ersten öffentlichen Aufführung von „Der Karneval der Tiere“ am 25. Februar 1922 in Paris, „Le Figaro“ vom 27. Februar 1922
Es gibt noch so viel Schönes zu sagen in C-Dur.
Sergej Prokofjew

„Le Figaro“ vom 27.2.1922 mit der Rezension zu „Der Karneval der Tiere“






