Jan Josef Liefers

Peter und der Wolf
15.2.26

Epochenspiegel

1846

Der elfjährige Camille Saint-Saëns gibt ein erstes großes Konzert als Pianist in Paris. Er wird als „neuer Mozart“ gehandelt.

1877

Saint-Saëns’ Oper „Samson et Dalila“ wird in Weimar uraufgeführt.

1886

Saint-Saëns, auf dem Höhepunkt seines Ruhms in Frankreich, komponiert den „Karneval der Tiere“ für eine private Faschingsmatinee. Er untersagt die Drucklegung und öffentliche Aufführung zu seinen Lebzeiten. Im selben Jahr komponiert er seine „Orgelsinfonie“.

1891

Prokofjew kommt am 23. April als Sohn eines Gutsverwalters im Donezk zur Welt.

Camille Saint-Saëns, Skulptur von Charles Cotra

Gackerten sie damals anders? Vogelkonzert von Cornelis Savtleven (zugeschrieben), 17. Jahrhundert.

Musiklupe

Gackern und Singen

Barockes in „Der Karneval der Tiere“

In „Der Karneval der Tiere“ karikiert Camille Saint-Saëns zahlreiche Stile – auch solche aus dem musikalischen Barock. Deutlich wird das in der ersten Nummer nach der Ouvertüre: Jean-Philippe Rameaus (1683-1764) „La Poule“ (Das Huhn) mit seinem „Co-co-co-co-dai“ liefert das barocke Ur-Gackern, das Saint-Saëns in „Hühner und Hähne“ überdreht und beschleunigt. 
Auch Saint-Saëns’ schnelle „Wildesel“ stehen in dieser Tradition der virtuosen Übertreibung. Ihr rasendes Klavierduett wirkt wie eine Parodie auf barocke musikalische Beweglichkeitsübungen  – ganz ähnlich wie im Solfeggio von Carl Phillipp Emanuel Bach (1714-1788), ursprünglich eine Gesangsübung, die Saint-Saëns mit einem Augenzwinkern in sein zoologisches Panorama einbaut. Die mechanische Virtuosität des Solfeggios trifft auf die atemlose Raserei der Halbesel: barocke Technik als Witz mit Geschwindigkeit als Pointe. 

Hörbeispiele:

Rameau: Das Huhn Saint-Saëns: Hühner und Hähne C.P.E. Bach: Solfeggietto Saint-Saëns: Wildpferde

Zitate

Man kann die Rufe bewundernder Freude nicht beschreiben, die am Samstag der Begeisterung des Publikums entsprangen. Es war eine wahrhaft beeindruckende Raserei. Im immensen Œuvre von Camille Saint-Saëns ist „Der Karneval der Tiere“ eines seiner großen Meisterwerke. Von der ersten bis zur letzten Note entströmt es ohne Unterlass einem Geist höchster und feinster Komik. Kein Takt, kein Moment ohne unerwartete und unwiderstehliche Einfälle. Themen, fantastische Ideen und Instrumentation übertreffen einander an Komik, Anmut und Kunstfertigkeit. Denn bei aller Verrücktheit steht die Konstruktion stets auf granitfestem Boden. Selbst wo er beliebt zu scherzen vergisst der Meister nie, dass er der Meister ist.

Aus einer Kritik zur ersten öffentlichen Aufführung von „Der Karneval der Tiere“ am 25. Februar 1922 in Paris, „Le Figaro“ vom 27. Februar 1922

Es gibt noch so viel Schönes zu sagen in C-Dur.

Sergej Prokofjew

„Le Figaro“ vom 27.2.1922 mit der Rezension zu „Der Karneval der Tiere“

Biografien

Jan Josef Liefers

Sprecher
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Beatrice Berrut

Klavier
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Nicola Stavy

Klavier
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Claudio Vandelli

Dirigent
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Würth Philharmoniker

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