12.06.23

Was die Presse sagt

Pfingstfestspiele 2023

Ohne Stimmen aus der Presse wollen wir die Pfingstfestspiele nicht zu Ende gehen lassen. Lesen Sie nach, wie die Rezensentinnen und Rezensenten die Konzerte erlebt haben:

Strahlender Glanz
(Pablo Heras-Casado und das SWR Symphonieorchester mit Wagner und Liszt)

Man war tief versunken in die prunkvoll ausgestaltete Musik samt Glockengeläut im beeindruckenden dritten Akt um den neuen Gralskönig. Der Heldentenor Andreas Schager verlieh ihm strahlenden Glanz. Mit seiner durchschlagenden Stimme ist der einstige Operettensänger aus Österreich weltweit und derzeit auch in Bayreuth angesagt (Siegfried im „Ring des Nibelungen“, Erik im „Fliegenden Holländer“). Noch mehr Facetten im Timbre hat der koreanische Bass Kwangchul Youn, der die Partie des Gurnemanz gestaltete. Ian Paterson ergänzte die beiden würdevoll als Amfortas.

Der richtige Ansatz

Zuvor begeisterte das Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur von Franz Liszt mit dem französischen Pianisten Alexandre Kantorow. Sein sinnliches Spiel ist genau der richtige Ansatz für diese Komposition, die überraschend intim beginnt. Ines Steppeler in den Badischen Neuesten Nachrichten.

Schnelldurchlauf mit Pracht
(Teodor Currentzis, das SWR Symphonieorchester und der „Ring an einem Abend“)

All das ist sehr anregend und auch sehr beeindruckend, und am Ende dieser 75 Minuten hat man den Eindruck, ein Monument wirklich durchlaufen zu haben. Ein Besuch im Schnelldurchlauf, der jedoch nichts an der Pracht einer außergewöhnlichen Kreation ändert.

Laurent Barthel in concerto.net/Frankreich.

Urgewalt(en)
(Patricia Kopatchinskaja und Fazil Say)

Ihren Oberkörper hat sie nach vorne geneigt und geht in die Knie, damit sie mit ihren nackten Füßen noch mehr Bodenhaftung bekommt. Patricia Kopatchinskja ist mit moldawischer Volksmusik groß geworden. Wenn sie im Festspielhaus Baden-Baden das Finale aus Béla Bartóks 1. Sonate für Violine und Klavier mit dem ganzen Körper zelebriert, wenn sie den Bogen krachen und kratzen lässt und die waghalsigen Läufe mit ihrer Energie zuspitzt, dann spürt man rhythmische Urgewalt.


Ihr Klavierpartner Fazil Say verstärkt noch diese Wucht, indem er mit den Schuhen auf den Boden stampft und das Klavier in manchen Passagen zum Schlagzeug macht.

Yoncheva beglückend
(Sonya Yoncheva, Philharmonie Baden-Baden, Giovanni Sala)

Dann beglückt Sonya Yoncheva in Thaïs’ Arie „Ah! Je suis seule... Dis-moi que je suis belle“ mit traumhaftem Legato, voller Tiefe und einer Fülle von klangfarblichen Nuancen. Anstelle von Riccardo Massi ist Giovanni Sala an ihrer Seite zu hören – ein italienischer Tenor mit unangestrengter Höhe und hellem Timbre, was Rodolfos Arie „Che gelida manina“aus Giacomo Puccinis Oper „La Bohème schweben lässt. Georg Rudiger in den Badischen Neuesten Nachrichten.

Synthese gelungen
(Pablo Heras-Casado und das SWR Symphonieorchester)

Die Idealvorstellung für „Parsifal“ ist ein Klang, der „Deutlichkeit und Verschmelzung mit einander paart”, so Pierre Boulez, der die Oper mehrfach in Bayreuth dirigiert hat.

Pablo Heras-Casado hat bei den Pfingstfestspielen auf dem Podium des Festspielhauses in Baden-Baden mit dem SWR Symphonieorchester die Probe aufs Exempel gemacht. Deutlichkeit, d.h. die Präsenz von Einzelstimmen und Verschmelzung, also ein Mischklang wie hinter einem dünnen Schleier – diese Synthese war Dirigent und Orchester in dieser Aufführung hervorragend gelungen. Christoph Wurzel auf bachtrack.com