Oper macht stark - Projektblog 2025-2027
Junge Menschen erfinden Musiktheater
„Oper macht stark“ ist ein zweijähriges Musikvermittlungsprojekt, das Schule, Kunst und Forschung am Festspielhaus Baden-Baden verbindet. Der Titel „Oper macht stark“ ist dabei eindeutig Programm – denn es geht nicht nur um Musik, sondern auch um Selbstvertrauen, Teamgeist und kreative Entfaltung.
Zwei Jahre lang setzten sich insgesamt 22 Schülerinnen und Schüler der Realschule Baden-Baden mit der Kunstform Oper auseinander. Zur Seite steht ihnen dabei ein künstlerisches Team rund um den Poetry-Slammer Phriedrich Chiller, den Komponisten Hauke Berheide und das Berliner Kollektiv Kling Klang Klong, das mit eigens entwickelten digitalen Werkzeugen neue Wege eröffnet, wie Kinder Musik entdecken und selbst komponieren können. Gemeinsam mit erfahrenen Profi-Künstlerinnen und -Künstlern schreiben die Jugendlichen Texte, erfinden Melodien und bringen ihre Gedanken und Gefühle als Musiktheater auf die Festspielhaus-Bühne.
Unterstützt werden sie dabei von Gesangsstudierenden der Hochschule für Musik Karlsruhe sowie von zwölf Musikerinnen und Musikern des SWR Symphonieorchesters. Zur Premiere stehen die Schülerinnen und Schüler dann selbst auf der Bühne, um den großen Festspielhaus-Saal mit ihrer Musik und Ihren Ideen zu füllen – ein Erlebnis, das sie wohl nie vergessen werden.
„Oper macht stark“ wird wissenschaftlich vom Freiburger Institut für Musikermedizin begleitet. Möglich wird das ambitionierte Projekt, das Schule, Kunst und Forschung verbindet, durch die großzügige Unterstützung der Felicitas und Werner Egerland Stiftung.
Ein erster Einblick in den kreativen Prozess ist bereits während der Pfingstfestspiele am 22. Mai 2026 geplant, bevor das fertige Werk bei den Pfingstfestspielen 2027 seine Uraufführung erlebt.
So entsteht – mitten in Baden-Baden – Oper der Zukunft: von jungen Menschen für junge Menschen erdacht, von Künstlern und Wissenschaftlern begleitet, ermöglicht durch privates Engagement!

16. Oktober – Bühne frei für „Oper macht stark“!
Aller Anfang ist schwer. Insbesondere dann, wenn man Neues wagt. Aber, dass es manchmal auch ganz leicht sein kann, das haben 22 Schülerinnen und Schüler der Realschule Baden-Baden am 16. Oktober beim Auftakt-Workshop des Musikvermittlungsprojekts „Oper macht stark“ bewiesen.
Das künstlerische Team, bestehend aus dem Poetry-Slammer Phriedrich Chiller und dem Berliner Kollektiv Kling Klang Klong, und die Projektklasse trafen an diesem Tag zum ersten Mal aufeinander. Für die meisten Kinder war es – genau wie für die Künstler auch – zudem noch ihr allererster Besuch im Festspielhaus überhaupt.
Mit viel Mut und noch mehr Freude meisterten die Schülerinnen und Schüler den ersten Meilenstein ihres zweijährigen Abenteuers. Es mag zwar noch ein weiter, aufregender Weg sein, bis die jungen Menschen selbst Seite an Seite mit Profi-Musikerinnen und -Musikern auf der großen Festspielhaus-Bühne stehen, die Bühne aber haben sie bei einer exklusiven Backstage-Führung schon erkunden dürfen.
Die Begeisterung über diese riesige Spielfläche und all ihre technischen Möglichkeiten nahmen die Kinder gleich mit in die Probenräume des Festspielhauses: Ballett- und Orchesterprobensaal wurden zu Bühnen, auf denen ein feuerspuckender Drache von einer gewieften Großmutter besiegt und die tragische Geschichte eines brennenden Hauses ganz ohne Worte aber dafür mit viel Zeitungspapiergeraschel und laut quietschenden Igeln erzählt wurde.
Was als nächstes passiert? Das werden wir bald erfahren! Denn bis Februar 2026 werden die Schülerinnen und Schüler nun gemeinsam mit Phriedrich Chiller in Schreib-Workshops ihre Gedanken und Ideen zu den (Anti-)Helden unserer Zeit zu Papier bringen – und somit die Grundsteine für das Libretto ihres eigenen Musiktheaterstücks legen. Es bleibt also spannend!
4. Februar – Wenn Linien und Zeitungspapier Heldengeschichten zum Klingen bringen...
Wie klingt es eigentlich, wenn Heldinnen und Helden aufeinandertreffen? Wenn Mut auf Zweifel trifft, Licht auf Schatten – oder wenn sich zwei Figuren im Mondschein in Dämonen verwandeln?
Am 4. Februar 2026 wurde genau das im Festspielhaus Baden-Baden erforscht. Bei ihrem ersten Kompositionswokshop mit Hauke Berheide verwandelten sich die 22 Schülerinnen und Schüler der Realschule Baden-Baden von Geschichtenerfinderinnen und -erfindern in Klanggestalterinnen und Klanggestalter.
Ausgehend von den Heldengeschichten, die sie in den vergangenen Monaten mit Phriedrich Chiller entwickelt haben, nahmen sie das Aufeinandertreffen einzelner Figuren musikalisch in den Blick. Mit grafischen Kompositionen – Linien, Strichen, Wellen und Wirbeln – entstanden erste visuelle Partituren. Diese wurden anschließend zum Klingen gebracht: Die Klasse formte ein lebendiges Orchester und erzeugte Töne und Geräusche allein mit Körper und Stimme – klatschend, stampfend, schreiend, flüsternd.
Nach der Mittagspause folgte dann die Steigerung und die Schülerinnen und Schüler nahmen sich eine konkrete Szene vor: die Verwandlung zweier Figuren in Dämonen im Mondschein. Neben Körperklängen kamen nun auch Zeitungspapier, selbst gebastelte Tröten und sogar der hauseigene Steinway Konzertflügel zum Einsatz.
Mit diesem ersten Kompositionsworkshop ist ein wichtiger Schritt getan: Die Figuren unserer Oper haben begonnen zu klingen. Ob wir einzelne Motive oder ganze Sequenzen aus diesen ersten grafischen Kompositionsentwürfen später im fertigen Musiktheaterstück, das 2027 auf der Bühne des Festspielhauses uraufgeführt wird, wiederfinden werden? Wer weiß.
Eines ist aber sicher: Unsere Projektklasse hat an diesem Tag erfahren, dass Komponieren kein Geheimwissen ist – sondern ein Abenteuer. Und dass aus einer einfachen Linie ein ganzer Kosmos entstehen kann.
25. März – Ein Blick hinter die Kulissen: „Lohengrin“ hautnah
Wie entsteht eigentlich große Oper? Und was passiert, bevor sich der Vorhang hebt? Am 25. März 2026 bekamen die Schülerinnen und Schüler der Projektklasse genau darauf eine ganz besondere Antwort: Sie waren zu Gast bei der Generalprobe von Lohengrin im Festspielhaus Baden-Baden.
Bevor es in den Zuschauerraum ging, gab es eine Einführung, die den Blick schärfte: Wie funktioniert eine Opernproduktion? Wer arbeitet alles wie zusammen? Und wie wird aus einer Idee ein fertiger Bühnenabend? Anhand von Entwurfsbildern zu Kostüm und Bühnenbild der Neuinszenierung von Johannes Erath für die Osterfestspiele 2026 tauchten die Schülerinnen und Schüler bereits vorab in die Welt von „Lohengrin“ ein. Neugierige Fragen wurden gestellt – und beantwortet.
Mit diesem Wissen ausgestattet, ging es in die Generalprobe. Doch nicht einfach nur als Publikum: Die Klasse teilte sich in Beobachtungsgruppen auf. Einige wurden zu Musikexpertinnen und -experten und konzentrierten sich auf Orchester und Dirigat, andere nahmen das Bühnengeschehen unter die Lupe, wieder andere beobachteten die Arbeit des Regieteams.
Dann begann die Magie: Die Schülerinnen und Schüler erlebten den gesamten ersten Akt – live, intensiv und voller Eindrücke. Große Stimmen, orchestrale Klanggewalten, präzises Zusammenspiel und eindrucksvolle Bilder auf der Bühne machten Oper in ihrer ganzen Komplexität für das junge Publikum erfahrbar.
Am Ende des Tages gingen die Schülerinnen und Schüler sichtlich beeindruckt nach Hause – „verzaubert“, wie einige selbst sagten. Vor allem aber nahmen sie etwas ganz Entscheidendes mit: neue Ideen. Ideen für ihr eigenes Musiktheaterstück, das immer konkretere Formen annimmt. Und für manche stand fest: Das war erst der Anfang – sie wollen „Lohengrin“ unbedingt ganz sehen.
26. März – Lost Place, große Ängste und ein Chor, der Regeln bricht
Nur einen Tag nach dem Opernbesuch ging es am 26. März direkt weiter – dieses Mal wieder im Klassenzimmer, das sich erneut in einen kreativen Probenraum verwandelte.
Im Zentrum stand die Arbeit am Libretto – und ein entscheidender Schritt wurde gemacht: Die Schülerinnen und Schüler entwickelten gemeinsam die Rahmenerzählung und den Spielort ihrer Oper. Schnell wurde klar, dass viele ihrer zuvor geschriebenen Heldengeschichten eine gemeinsame Atmosphäre teilen. Die Lösung: ein „Lost Place“.
Doch nicht nur erzählerisch ging es voran. Auch musikalisch wurde weiter geforscht – gemeinsam mit dem Komponisten Hauke Berheide. Die Schülerinnen und Schüler probierten sich als „Anti-Chor“ aus: Zwei Gruppen standen sich gegenüber, sprachen Sätze und experimentierten dabei mit der Dynamik – vom leisen Flüstern bis zum kraftvollen Crescendo. Am Ende verschmolzen beide Gruppen zu einer gemeinsamen Stimme. Eine Szene, die nicht nur Energie freisetzte, sondern vielleicht auch ihren Weg in die Abschlussaufführung finden wird.
Zum Abschluss wurde es noch einmal körperlich: Mit Bewegung, Theaterübungen und viel Spielfreude näherten sich die Schülerinnen und Schüler weiter der Bühne an. Immer mit dem Ziel vor Augen, in einem Jahr selbst dort zu stehen – Seite an Seite mit Profi-Künstlerinnen und -Künstlern.
Die Oper der Zukunft wächst weiter. Und sie nimmt immer klarere Formen an.















