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Neumeiers „Ghost Light“ bei Arte

Die Aufzeichnung aus dem Festspielhaus im TV und im Stream

Das Licht brennt weiter… Arte zeigt die Aufzeichnung von John Neumeiers „Ghost Light“ aus dem Festspielhaus Baden-Baden am 24. Januar um 23.05 Uhr im Fernsehprogramm, der Stream ist bei Arte Concert bis 22. Februar verfügbar, die DVD erscheint Ende Februar.

Mit seinem Ballett „Ghost Light“ hat John Neumeier gleich bei Ausbruch der Corona-Pandemie gezeigt, wie aus der Krise Kunst entsteht. Aus Sicherheitsabstand und Berührungsverbot gewinnt er Energie, Rhythmus, Tanz – nicht für wenige, ausgesuchte Solistinnen und Solisten des Hamburg Ballett, sondern für die ganze Compagnie. Das coronabedingt reduzierte Publikum zum Auftakt der Saison 2020/2021 im Festspielhaus ließ sich von dem Ballettwochenende im Oktober begeistern. Vier Vorstellungen „Ghost Light“ plus Ballettwerkstatt an vier Tagen: Anders als in der Hamburgischen Staatsoper muss sich das Ballett beim Gastspiel in Baden-Baden die Bühne nicht mit Opernvorstellungen teilen. Deshalb hat das Festspielhaus als ruhiger, konzentrierter Ort für aufwendige Videoaufzeichnungen schon Tradition für die Compagnie. Auch die DVDs für „Matthäus-Passion“, „Tod in Venedig“ und „Beethoven-Projekt“ entstanden hier.

Jenseits der Anforderungen einer Videoproduktion genießen John Neumeier und seine Tänzerinnen und Tänzer diese Konzentration auch künstlerisch - gerade bei einem handlungslosen, ganz auf den Moment fokussierten Ballett. Gegenwärtiger und zeitgemäßer als „Ghost Light“ kann Tanz nicht sein. Indem John Neumeier an die angelsächsische Tradition anknüpft, nach der letzten Vorstellung stets ein Licht auf der Bühne brennen zu lassen, und indem er eigene Choreographien wie „Nussknacker“, „Nijinsky“ und „Kameliendame“ zitiert, bringt er Vergangenheit und Zukunft gleich mit auf die Bühne: Die Theatergeister treiben ihr Spiel auch in dunkleren Zeiten, sie lassen sich nicht vertreiben.

Sie sind sogar quicklebendig, wie unsere Galerie mit Szenenfotos aus „Ghost Light“ von Kiran West zeigt. Bei Arte kommt das Ganze am Bildschirm in Fluss – zu Klaviermusik von Franz Schubert, gespielt von David Fray. Die Schubert-Aufnahmen des Pianisten waren wichtige Inspiration für John Neumeier. Nicht bei der Hamburger Premiere, sondern erst im Festspielhaus Baden-Baden klappte es dann mit der Zusammenarbeit John Neumeiers und David Frays auf der Bühne – auch das viel zu schön, um es jetzt auf den Bildschirmen zu verpassen.

© Kiran West