25.05.22

Mit Sinn für Gesang

In Baden-Baden besuchte er gern den Salon Pauline Viardots, um neuen Werken zu lauschen und Eigenes vorzustellen. Dort, in der Villa der berühmten Sängerin, traf er Brahms, Clara Schumann, Anton Rubinstein und andere Geistesgrößen, die sich über Musik, Literatur und Politik austauschten.

Charles Gounods eigenes Metier waren Opern, Lieder und Kirchenmusik. Der Franzose war in diesem Kreis ein eher stiller Neuerer, der zwischen der italienischen Oper und der deutschen Instrumentalmusik nach einem eigenständigen französischen Ton suchte. 1885 schrieb er für den bis heute legendären Flötisten Paul Taffanel eines seiner wenigen Instrumentalwerke: die „Petite Symphonie“. Am Freitag, den 3. Juni ist sie in der Evangelisch-Lutherischen St. Johanniskirche zu hören, vorgetragen von Musikerinnen und Musikern des SWR Symphonieorchesters. Diese einzige Bläser-Kammermusik des Komponisten ist ein schöner Beleg für die Auffassung Maurice Ravels, Gounod sei der eigentliche Begründer des französischen Kunstlieds „Mélodie“ gewesen: Man muss nur das wunderbare Lied für Flöte hören, das er im zweiten Satz in die Petite Symphonie einkomponiert hat. Gelegenheit dazu gibt es bei den PRESENCE Pfingstfestspielen. Für das Konzert in der kleinen Kirche, die um dieselbe Zeit erbaut wurde, als in Pauline Viardots Salon Prinzessinen, Fürsten und Künstler ein und aus gingen, gibt es noch Karten.