Lebensleistungen eines Genies

Richard Strauss´ Talent ist letztendlich unerklärbar. Der Komponist schrieb so natürlich, wie ein Baum Äpfel gibt. Kleiner Überblick über die Werkauswahl zu den Osterfestspielen.

Wie funktioniert Kreativität? Heute interessiert sich die Psychologie für diese Fragen und spricht von „Flow“. Von Richard Strauss weiß man, dass er sich in diesen kreativen Zustand verlässlich schnell versetzen konnte. Dafür machte er sich dann über seine Kollegen lustig, die sich über die Mühen des Komponierens beklagten. Sollten sie doch Schaffner werden! Strauss hatte seinen festen Tagesplan mit festgelegten Terminen für Komponieren, Spazieren und Kartenrunde. Bereits als junger Mann verblüffte er seine Umwelt mit seinem Talent. Die Serenade, die Kirill Petrenko passenderweise mit dem Bundesjugendorchester aufführen wird, hat Strauss mit 17 Jahren komponiert. Sie machte Aufsehen und war der Startschuss für viele weitere Orchesterwerke, Sinfonische Dichtungen, deren Höhepunkt zweifelsohne „Ein Heldenleben“ ist. Der Komponist selbst, dem alles stets gelang, porträtierte sich hier als Helden. Doch dieses Heldenhafte ist durchaus auch ironisch gemeint. Die Musik wird im Verlauf immer melancholischer. Sie lässt erkennen, mit wie viel Selbstzweifeln der Komponist dann doch zu kämpfen hatte – etwas, was wir von vergleichbaren Ausnahmetalenten kennen, die bereits als Jugendliche vollkommene Werke schrieben, Felix Mendelssohn-Bartholdy oder Benjamin Britten zum Beispiel. Unsicherheiten prägten auch Strauss´ Arbeit an „Frau ohne Schatten“, die der Komponist und sein Librettist Hoffmannstal als Höhepunkt ihrer beider Zusammenarbeit anlegten. Das riesige Werk ist der letzte Höhepunkt in Strauss´ Opernschaffen, eine gewaltige Zusammenfassung seiner Erfahrungen - die Opern danach sind im Anspruch kleiner, kammermusikalischer angelegt. Kurz und zu Herzen gehend schließlich die vier letzten Lieder: Zum letzten Mal porträtiert sich der Komponist selbst, wieder mit seiner Frau, wie bereits im „Heldenleben“. Nun jedoch als altes Ehepaar, das seinen Weg gemeinsam zu Ende beschreitet. Ihr glückliches Zusammenleben ermöglichte es ihm, bedeutende Werke zu schaffen. Die hier erwähnten sind allesamt zu den Osterfestspielen 2023 zu hören.