11.04.23

Festspielgala mit Sonya Yoncheva

Verismo

Sonya Yoncheva. Sie ist ein Weltstar und auf den Bühnen der wichtigsten Opernhäuser zwischen New York und Mailand längst regelmäßiger und umjubelter Gast.

Im Festspielhaus Baden-Baden debütierte sie vor beinahe zehn Jahren als Maguerite in Gounods Faust, fünf Jahre später sang sie sich als Desdemona in Verdis Otello in die Herzen des Publikums, bei den Osterfestspielen 2022 brillierte sie als Jolanthe in der gleichnamigen Tschaikowsky-Oper. Zur diesjährigen Festspielgala entführt uns die Sopranistin, die – so sagt sie selbst – keine Stimmfächer bedient, sondern immer wieder in interessante Frauenrollen schlüpft in die Welt des Verismos. Ach, dieser Verismo, ohne den wir auf Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ verzichtet hätten, ohne den wir nicht mit Georges Bizets „Carmen“ gelitten und auch nicht mit Giacomo Puccinis „Tosca“ gebangt hätten. Dieser Verismo, der zunächst als eine Spielart des italienischen Naturalismus daherkam, wandte sich in Oper, Literatur und bildender Kunst ab von Heldenmythos und Götterverehrung. Nicht in Fabeln und Sagen fanden viele Komponisten am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Sujets, sondern auf der Straße. Sie wandten ihren Blick ab von den prachtvollen Boulevards, den exquisiten Herrscherhäusern und den edlen Etablissements und schauten in die armseligen Gassen, mit ihren billigen Kneipen, elenden Absteigen und ärmlichen Freudenhäusern. Tränen und Wut, betörende Melodien, süßer Klang – das ist der italienische Verismo. In der Opernliteratur des Verismo entdeckte Sonya Yoncheva auch die Arien und Duette ihrer aktuellen CD „The Courtesan“. Dem ebenso einzigartigen wie tragischen Schicksal der Kurtisanen, leiht sie auf dieser Einspielung ihren Sopran, der als einer der besten und facettenreichsten der Welt gilt.