01.05.23

Die Zigarette danach

Romantisch, modern, erotisch, witzig: In Liszts Klavierkonzerten ist für jeden etwas dabei.

Unter den Komponisten im 19. Jahrhunderts zählte Franz Liszt zu den Modernisten. In seinen beiden Klavierkonzerten gehen alle Sätze ineinander über. Das Klavier tritt mal allein, mal mit großem Orchester und mal in Kammerbesetzung auf, etwa als schönes Duo zwischen Klavier und Horn im zweiten Klavierkonzert. Dass alle Melodien miteinander verwandt sind, hat sich als besonders wegweisend erwiesen. Und dann ist da noch der berühmt-berüchtigte Klaviersatz Liszts, der Kraft mit Virtuosität verbindet.

Als Romantiker hat sich Liszt von außermusikalischen Vorbildern anregen lassen. Hier wären vor allem die Bibel, Goethes „Faust“-Drama und Dantes „Göttliche Komödie“ zu nennen. „Am Anfang war die Tat“ heißt es bei Goethe – und dann war da noch das Gretchen. Der erotisch umtriebige Komponist hat diesen Dualismus auf sein eigenes Leben bezogen und daraus Musik gemacht. So beginnt sein zweites Klavierkonzert mit Holzbläserklängen, die überaus sinnlich anmuten – Musik auf Seidenkissen, erotische Ermattung, die musikalische Umschreibung der Zigarette danach. Liszts späterer Schwiegersohn Richard Wagner wird Ähnliches schreiben, etwa im Tristan oder dem Tannhäuser-Bacchanale.

Beim Liszt steht der privaten Wollust immer das öffentliche Wirken gegenüber. Der Mann muss hinaus in die Welt und Heldentaten begehen. Das klingt zeittypisch bombastisch, dennoch wirkt diese Musik immer auch frisch und sympathisch. Die Musik schaut auf ihren unsichtbaren Helden mit Humor und Wohlwollen. Liszt hat seinen Klavierkonzerten immer auch ein Schmunzeln hineinkomponiert.