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Der böhmische Mahler

Jakub Hrůša und die Bamberger Symphoniker mit der „Auferstehungssinfonie“

„Sicherlich nicht deutsch“, so die spontane Antwort des Tschechen Jakub Hrůša auf die Frage, ob Gustav Mahler ein Tscheche gewesen war. Die Frage mag bei einem österreichischen Komponisten irritieren, aber Mahlers geistige Heimat war ein Kulturraum in Mitteleuropa, zu dem neben dem heutigen Österreich auch Böhmen, Mähren, einige Teile Ungarns und Süddeutschlands zählten. Hrůša, der Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, sieht bei dem Komponisten drei Einflüsse, die österreichische, böhmische und jüdische. Eine „böhmische Art von slawischem Instinkt“ - dazu christliche Motive und die deutsche Sprache. Das ist ein anderer Zugang, als ihn vielleicht die Dirigenten Boulez, Abbado oder Gielen wählen konnten, doch für Hrůša ist er noch aus einem anderen Grunde naheliegend: Nicht nur der Dirigent ist Tscheche. Auch sein Orchester, die Bamberger Symphoniker, wurde nach dem zweiten Weltkrieg von ehemaligen Mitgliedern des Deutschen Philharmonischen Orchesters Prag gegründet. Diese Traditionen wirken untergründig weiter – so auch, wenn die Bamberger mit Hrůša Mahlers „Auferstehungssinfonie“ in Baden-Baden aufführen.


Stand: 20.12.2021