Blitzstart
Seit Klaus Mäkeläs Debüt beim Royal Concertgebouw Orchestra im Jahr 2020 ging es steil bergauf. Der damals 24-jährige Schüler des legendären finnischen „Dirigentenmachers“ Jorma Panula hinterließ einen tiefen Eindruck und wurde in kurzen Abständen wieder eingeladen. Zwei Jahre später dann die Nachricht, dass er ab 2027 Chefdirigent sein wird – erst der achte in der beinah 140-jährigen Geschichte des Orchesters. Bei den Osterfestspielen 2026 treten das Orchester und sein designierter Chefdirigent zum ersten Mal gemeinsam im Festspielhaus auf. Die Verbindung zum Festival und zu Baden-Baden ist längerfristig angelegt.
Von jeher standen die größten Maestros am Pult des Amsterdamer „Concertgebouworkest“, wie es in seiner niederländischen Heimat genannt wird – als Chefdirigent oder als regelmäßiger Gast: Leonard Bernstein, Kirill Kondraschin, Bernard Haitink. Heute steht eine neue Generation bereit. Wer an die Spitze will, muss nicht nur musikalisch hochbegabt und technisch makellos sein, sondern auch ein charismatischer Kommunikator. Klaus Mäkelä vereint all diese Eigenschaften scheinbar mühelos in sich. Das macht die Arbeit mit ihm für die Musikerinnen und Musiker zu einem Vergnügen. Das Orchester und das Publikum haben seinen Stil und Version angenommen. Mäkelä und Concertgebouworkest – das fühlt sich einfach gut an.
Mäkeläs Karriere verläuft rasant. Derzeit ist er Chefdirigent der Osloer Philharmoniker und Musikdirektor des Orchestre de Paris. 2027 wird er die Leitung des Concertgebouw Orchestra und des Chicago Symphony Orchestra übernehmen. Als designierter Chefdirigent baut er jedes Jahr seine Anwesenheit in Amsterdam aus.
Der junge Dirigent ist heimisch geworden in einer Klangkultur, deren Geschichte bis ins Jahre 1888 zurückreicht. Mäkelä kennt das Erbe des Orchesters in- und auswendig. Die legendären Mahler-Aufführungen unter Haitink hat er bis ins Detail studiert. Gleichzeitig blickt er ambitioniert nach vorne, was die Erweiterung des musikalischen Spektrums und des Angebots für ein breites, diverses Publikum angeht. Der gemeinsame Weg mit dem Orchester zielt auf einen intensiven künstlerischen Dialog. Dominik Winterling, der Generaldirektor des Royal Concertgebouw Orchestra, erklärt: „Bei den Kooperationen, die das Orchester eingeht, steht die Klangentwicklung im Mittelpunkt. Das erfordert Zeit und Kontinuität.“ Die Ernennung Klaus Mäkeläs zum zukünftigen Chefdirigenten fügt sich da nahtlos ein. „Wir haben eine Spielkultur“, so Winterling, „man erkennt das Orchester immer. Eine englische Zeitung verglich das Concertgebouworkest einmal mit einem Rolls-Royce: Der Klang entsteht auf die schönste und feinste Weise, etwas Kostbares, fast aus einer anderen Zeit.“

Im kulturellen Leben Amsterdams spielt das Orchester eine Schlüsselrolle. Gleichzeitig ist es stark international ausgerichtet. Unter der Leitung von Klaus Mäkelä unternahm es Tourneen in die Vereinigten Staaten und nach Asien. 2025 kehrte es zu den Salzburger Festspielen und den BBC Proms zurück. Die stetige Präsenz auf den international renommiertesten Bühnen festigt den weltweiten Ruf des Orchesters.
Mäkelä, selbst ein begabter Cellist, dirigiert mit ruhiger aber klarer Hand. Er steuert, ohne zu zwingen. Dabei strahlt er Zuversicht und Selbstvertrauen aus. Kontinuität zwischen Chefdirigent und Orchester hebt das künstlerische Niveau. Programme können wiederholt, verfeinert und auf Tourneen präsentiert werden. So reift über Jahre die Auseinandersetzung mit dem Werken. Zu diesem Ansatz passt Klaus Mäkeläs Vorliebe für mehrtägige Residenzen – wie bei den Osterfestspielen in Baden-Badem. Auch in den kommenden Jahren wird er mit dem Orchester einen festen Platz im Osterfestspiel-Programm haben. Die mehrtägige Residenz schafft Raum und Ruhe für Spitzenleistungen. Sie ermöglicht neben Sinfoniekonzerten auch Kammermusik und Projekte, die das Publikum aktiv werden lassen – über das Musikhören hinaus. Baden-Baden wird damit zum wichtigsten Ankerpunkt für gemeinsame Ambitionen.
Klaus Mäkelä bringt eine frische, jugendliche Energie mit, die das Orchester herausfordert, sich zu öffnen und das Repertoire mit neuen Augen zu sehen. Die Osterfestspiele sind ein wichtiger Schritt in diesem Prozess. 2026 steht neben Mahlers fünfter Sinfonie und Bruchs Violinkonzert Bachs „Matthäus-Passion“ auf dem Programm. „Vintage Concertgebouw Orchestra“ ist der Abschluss der Residenz mit Bruckners Achter: das monumentale Werk eines Visionärs, der den Himmel in Klang zu fassen vermochte.
Von Frederike Berntsen