Abschiedswerk und Liebesmusik

Edward Elgar schaut zurück: Sol Gabetta spielt das letzte romantische Cellokonzert

Historisch gesehen gleicht Elgars Cellokonzert einer überreifen Frucht – vergleichbar etwa mit Strauss´ „letzten Liedern“ oder Rachmaninows Klavierkonzerten. Diese Musik hielt an einer spätromantischen Tonsprache fest und ignorierte die Experimente der damaligen Moderne.

Zu überreifen Früchten gehört auch, dass sie besonders süß schmecken. Um alle oben genannten Werke reißen sich Konzerthäuser. Elgars Cellokonzert wurde zum Kultstück durch die Aufnahme der jung verstorbenen kanadischen Cellistin Jacqueline du Pré – auf diese Aufnahme bezieht sich die Cellistin Sol Gabetta ausdrücklich - und zwar indem sie sich von ihr absetzt: Gabetta hält sich viel genauer an Elgars Notentext. Inzwischen hat dessen Konzert sogar Dvořáks unsterblichen Beitrag vom ersten Platz auf der Beliebtheitsskala verdrängt, was wirklich etwas heißen will. Dabei war Elgar sogar möglicherweise von Dvořáks Cellokonzert inspiriert. Auch Elgars Konzert ist ein Abschiedsstück, das für seine Trauer die schönsten Töne findet. Dvořák beklagte seine tote Schwägerin, Elgar bedauert eine untergegangene Welt. Sein Konzert entstand kurz nach dem ersten Weltkrieg. Wie so oft bei Elgar scheint auch hier eine Frau eine Rolle zu spielen: Elgars Ehefrau? Der langsame Satz im Cellokonzert ist Liebesmusik. Am Ende dann, wenn das Bekenntniswerk melancholisch ausklingt, erinnert das Finale ein letztes Mal an die Liebesmusik– bevor die letzten Takte es zum energischen Abschluss bringen.