6 Statements zur Oper
Joana Mallwitz über „Lohengrin“
Es ist der Höhepunkt des Opernjahrs im Festspielhaus Baden-Baden: Am 28. März 2026 feiert Wagners „Lohengrin“ Premiere, mit Piotr Beczała in der Titelrolle und Rachel Willis-Sørensen als Elsa. Joana Mallwitz gibt ihr Festspielhaus-Debüt. Wir haben der Dirigentin bei der Arbeit sechs Statements abgelauscht.
Die wichtigsten Stellen sind immer stille Momente.
Aus einem Guss sein: Dieses Empfinden habe ich ganz stark bei „Lohengrin“. „Lohengrin“ ist eine zwar sehr kontrastreiche, aber doch in sich geschlossene und sehr schöne, kantable Oper. Wenn man sich vorstellt, dass er die ganze Oper so gut wie fertig hatte und dann erst das berühmte Vorspiel geschrieben hat. Es wirkt wie ein Extrakt – es ist ja eigentlich nur eine Idee, es ist dieses eine Thema. In dieser Reduktion und dann der Auffächerung in die unglaublichsten Effekte – da liegt die Stärke dieses Vorspiels.
Oper ist Überwältigung, aber Oper ist eben auch etwas ganz, ganz Intimes und Persönliches. Man hat dieses Riesenfestspielhaus und die Tradition der Baden-Badener Festspiele und dann das Mahler Chamber Orchestra im Graben, das für dieses detailreiche, musikantische Spielen steht und für das Kammermusikalische. So vieles an der „Lohengrin“-Oper ist am Ende Kammermusik. Ich glaube, das könnte etwas ganz Besonderes werden.
Alle Gewerke, die Kostüme, das Licht, die Maske, das Bühnenbild, die Sänger, die Darsteller, das Orchester, alle Entscheidungen über Tempo, Dynamik – alles zielt darauf ab, diesen Moment zu kreieren: wenn jemand da oben in der letzten Reihe sitzt und ein Ton von einem Sänger mitten ins Herz trifft.
Den „Lohengrin“ kann man nur mit den Besten machen.
Es gibt eine winzige „Geheimstelle“ in „Lohengrin“ – eine meiner absoluten Lieblingsstellen, die für mich beweist, dass Elsa ganz genau weiß, dass das Wunder geschehen und Lohengrin gleich zu ihrer Rettung kommen wird – obwohl diese Stille herrscht. Der Heerrufer ruft zum ersten Mal: Wer hier für Elsa streiten will, der soll sich melden – Stille, niemand rührt sich. Dann bittet Elsa den König, noch einmal rufen zu lassen. Und der Heerrufer ruft noch einmal – und wieder Stille. Aber: Man hört eine Trompete mit dem Ton b und dann hört man – wie ein Echo, leise – ein Horn mit dem Ton b. Ich glaube, das ist Lohengrins Horn. Das sind ja seine drei Attribute: Er hat das goldene Horn immer bei sich, er hat sein Schwert, er
hat den Ring. Ich glaube, wir hören aus der Ferne schon sein Horn. Und Elsa weiß das, denn sie kennt ihn, sie hat ihn schon gesehen: in ihren Träumen. Sie weiß, er kommt.