10.06.22

4 Musiker aus 3 Nationen

Sonntags-Matinee mit dem Simply Quartet

Zweimal China, einmal Österreich und einmal Norwegen: Das Simply Quartet beweist eindrucksvoll, dass künstlerische Harmonie keine Grenzen kennt. Ihren Wohlklang stellen die Rising Stars am Sonntag, 19. Juni 2022, 11 Uhr, im Festspielhaus mit Werken von Joseph Haydn, Julia Lachersdorfer und Bela Bartók unter Beweis.

Die Ensemblemitglieder Danfeng Shen (Violine), Antonia Rankersberger (Violine), Xiang Lyu (Viola) und Ivan Valentin Hollup Roald (Violoncello) besitzen als junges, internationales Ensemble bereits großes Ansehen in der Kammermusikszene. Durch die Beschäftigung mit Werken aus jeder ihrer Kulturen vertiefen sie ihre Kenntnis unterschiedlicher Klangwelten und entwickeln eine ganz eigene musikalische Sprache.

Blick ins Innerste

Julia Lacherstorfer kreuzt gerne die Klänge ihrer oberösterreichischen Heimat mit dem weltläufigen Sound unserer Tage. Einen intimen Einblick ins Innenleben des Simply Quartet bietet ihr Stück „un:fold“, das Julia Lacherstorfer eigens für das Ensemble komponierte. Dem Streichquartett legte Julia Lacherstorfer Gespräche mit den vier Musikern zugrunde: Was treibt sie an? Was gibt Hoffnung? Wofür kämpfen sie und was ist ihre Vision von einer gesunden Zukunft? Die Antworten darauf geben der Komposition ihren Rahmen und entfalten – getreu dem Titel – Schicht für Schicht den Wesenskern des Ensembles. Musikalisch ließ Julia Lacherstorfer dabei Lieder und Melodien einfließen, die die vier Musiker aus ihrer Kindheit kennen, verwob diese vertrauten Klänge mit Zitaten der Musiker und eigenen Ideen.

„Sehnsucht die ich meine“

Auch Bela Bartók war in seinen Kompositionen lange Zeit ein Meister in der Synthese von Kunst- und Volksmusik. In seinem sechsten Streichquartett, welches das Simply Quartet bei der Sonntags-Matinee spielt, wandte Bartók sich jedoch von diesem Prinzip ab. Im August 1939 geschrieben, verlangte die Zeit wohl anderes, wie die verschiedenen Abhandlungen derselben Mesto-Musik (mesto= traurig, getragen) zeigen. Obwohl parodistisch-groteske Elemente in den Mittelsätzen nicht fehlen, ist es der Trauerton, der den Charakter des Werks bestimmt. Dieses Stück ist nicht nur Bartóks letztes Streichquartett, sondern auch sein letztes in Europa geschriebenes Werk überhaupt.

Heiterer Haydn

Haydns Quartette op. 76, 1797 entstanden, bilden den End- und Höhepunkt der Streichquartettkomposition des 18. Jahrhunderts. Darunter ist das im Festspielhaus-Konzert erklingende Quartett Nr. 1 eines der schönsten und beliebtesten. Es ist dicht und konsequent gearbeitet, und doch lockern kantable und heitere Momente die ernsthaften Partien auf. Der erste Satz beginnt mit drei kräftigen Akkordschlägen. Nach diesem ‚Vorhang auf-Motiv‘ setzt ein Instrument nach dem anderen mit dem ersten Thema ein, das sich nach meist locker-heiterem Verlauf schließlich dramatisch steigert – man meint eine gewisse Ähnlichkeit zum berühmten Motiv aus Beethovens Fünfter zu hören.

Der zweite Satz, ein mozartnahes, tiefsinniges Adagio in C-Dur, wechselt zwischen sehr langsamen, getragenen und tänzerisch-bewegten Passagen und ist wohl einer der schönsten langsamen Sätze Haydns. Der dritte Satz ist eher Scherzo als ein Menuett und rahmt ein an dieser Stelle durchaus überraschend süßliches Ständchen der ersten Geige ein.

Das Finale hat ein recht schroffes, dramatisches Hauptthema. Doch dann kommt die Wendung nach G-Dur und das Werk nimmt einen heiteren Ausgang.

Zu den Künstlern: Das Simply Quartet

Das 2008 in Shanghai unter der Schirmherrschaft von Jensen Horn-Sin Lam gegründete Ensemble siedelte das 2012 nach Wien über, um sich hier intensiv mit der Essenz und dem Ursprung des Quartettspiels auseinanderzusetzen. Am Joseph Haydn Institut der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien studieren die vier Streicher mit Johannes Meissl, der seit dem Wechsel nach Österreich zum wichtigsten Mentor des Ensembles geworden ist. Darüber hinaus verdankt das Quartett den Jahren an der European Chamber Music Academy sehr wertvolle Erfahrungen und Impulse. Weitere Einflüsse sammelt das Quartett in der Klasse von Günter Pichler an der Reina Sofía School of Music in Madrid, der es seit 2020 angehört.

Das Quartett wurde bereits mit vier ersten Preisen bei namhaften Das Quartett gewann in den Jahren 2017 bis 2019 Erste Preise beim Internationalen Carl Nielsen Wettbewerb in Kopenhagen, bei „Quatuor á Bordeaux“, beim Wettbewerb „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ in Graz und beim Internationalen Joseph Haydn Kammermusikwettbewerb in Wien.

In der Saison 2021/2022 gehört das Simply Quartet zu den ausgewählten Ensembles der ECHO Rising Stars und im Wiener Konzerthaus ist das Simply Quartet Teil des Great Talent Programms. Neben den ECHO Rising Stars Konzerten, wird das Ensemble sein Debüt in der Berliner Philharmonie und der Philharmonie de Paris geben.