11.11. - 20.11.22

La Grande Gare

Herbstfestspiele

VOLLDAMPF

Der Zug nimmt Fahrt auf im 19. Jahrhundert, die Technik frisst sich in immer mehr Bereiche des Alltags hinein – und die Komponisten? Sie entdecken eine neue Mechanik der Gefühle. Nicht nur die Orchester werden größer, sondern auch die Stimmen: Pietro Mascagnis Verismus nimmt den Filmschnitt vorweg, während wir bei Wagner das Gegenteil vorfinden. Sein unendlicher Strom erfasst Helden wie Harmonien, löst Arien auf und ist voller Leitmotive, die das Unbewussten zum Sprechen bringen, lange bevor die Psychologie es tut. Mit Thomas Hengelbrock, Teodor Currentzis und Antonello Manacorda kommen Dirigenten zu den Herbstfestspielen, die für ihre Kompromisslosigkeit bekannt wurden. Einem Klangideal auf der Spur, das die Routine fürchtet, pendeln sie zwischen großen Orchestern und eigenen Ensembles hin und her. Ihr historischer Vorreiter: Hector Berlioz, der das romantische Orchester entfesselte und mit seiner „Symphonie fantastique“ das sinfonische Künstlerdrama erfand. Er prägte auch, in Baden- Baden übrigens, den Begriff „Festival“. Eine „Idée fixe“, die bis heute Früchte trägt.

Das Programm

11.11.22 – 13.11.22

CAVALLERIA RUSTICANA

Pietro Mascagni

Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ markiert den Beginn der veristischen Oper, die sich nicht scheut, den Vorhang für Bauern, Prostituierte und Kleinbürger zu heben, für kleine Weinhändler, die von einem Rausch zum nächsten leben. Überhaupt steckt die „Cavalleria“ voller pikanter französischer Harmonien, die ihrerseits Wagners „Tristan“-Kühnheiten ins eigene Idiom übersetzten. Eine unwiderstehliche Mischung: Keine Oper war zu ihrer Zeit erfolgreicher. Und heute? Was wohl noch unter Hengelbrocks Röntgenblick zum Vorschein tritt? Freuen wir uns darauf!

ZUR VERANSTALTUNG

SA 12.11.22

SYMPHONIE FANTASTIQUE

Antonello Manacorda, Balthasar-Neumann-Ensemble

Noch Wagner wird geheimnisvolle Zaubertränke brauen, ganz nach Art der schwarzen Romantik, die Gift, Gespenst und Genuss verspricht. Das Pendel schlug um nach 1800, dem Engel der Vernunft folgte der Teufel der Wünsche. Carl Maria von Weber nahm die Wolfsschlucht bei Baden-Baden für seine Teufelsszene im „Freischütz“ zum Vorbild und Hector Berlioz, der große Weber- wie Baden-Baden-Freund, verfrachtete den Teufel in seine „Symphonie fantastique“.

ZUR VERANSTALTUNG

17.11.22 – 20.11.22

TRISTAN UND ISOLDE

Andreas Schager, Brigitte Christensen

Das Schwarz, in das sich Teodor Currentzis kleidet, lässt sich kulturhistorisch auf die Nacht zurückführen, die in „Tristan“ positiv aufgeladen wird. Kulturhistorisch haben wir hier eine Abkehr vom Sehen und die Hinwendung zum Berühren. Die Wende begann mit der Romantik – und hier wurzelt auch Teodor Currentzis´ Auffassung von Kunst. Statt Betrachtung sucht er die Hingabe. Wir erwarten eine Aufführung wie nicht von dieser Welt.

ZUR VERANSTALTUNG

SA 19.11.22

TEODOR CURRENTZIS

musicAeterna

Eine „Carte blanche“, also die Freiheit, die Werkliste erst nach Druckschluss des Jahresprogramms festzulegen, ist ein Privileg, das wir leider nicht jedem Künstler zubilligen können. Bei Teodor Currentzis lassen wir uns darauf ein – in dem Wissen, dass dieser Künstler gegen jede Musealisierung der Musik anspielt und Spontanität einfordert, selbst wenn das einen schweren Dampfer wie das Festspielhaus an seine Grenzen bringt. Folgen Sie uns also ins unbekannte Gewässer! Denn die Ergebnisse sprechen für sich. Wir erwarten einen Konzertabend, der in typischer Currentzis-Manier außerordentlich zu werden verspricht.

ZUR VERANSTALTUNG

Partizipation

12.11.22

VIVE LE GESANG!

Deutsch-französisches Sing-Fest zum Mitmachen

Deutsch-französisches Sing-Fest zum Mitmachen Die neuen Herbstfestspiele möchten Grenzen überwinden. Das klingt in Zeiten einer lebendigen Europäischen Union etwas merkwürdig, wird deshalb aber nicht unwichtiger. Auch ohne Schlagbäume und Zollkontrollen existieren Grenzen – und seien es vielleicht auch eher Sprach- und Kulturbarrieren. Der Balthasar-Neumann-Chor möchte dazu motivieren, diese weiter abzubauen. Und wie? Natürlich mit Gesang und einem Konzert auf der großen Festspielhaus- Bühne. Entstehen wird ein Projektchor, der unter Anleitung der Chorprofis im Vorfeld des Festivals in Workshops probt und so sein Programm erarbeitet. Anmeldung: siehe unten Le nouveau festival d‘automne veut dépasser les frontières. Cela semble un peu étrange à l‘époque d‘une Union européenne dynamique, mais cela ne la rend pas moins importante. Même sans barrières et contrôles douaniers, les frontières existent – même s‘il s‘agit peut-être davantage de barrières linguistiques et culturelles. Le choeur Balthasar Neumann veut motiver les gens à briser ces barrières. Et comment ? Avec des chants, bien sûr, et un concert sur la grande scène du Festspielhaus. Un choeur de projet sera formé, qui tiendra des ateliers sous la direction des professionnels du choeur en amont du festival et développera ainsi son programme. Êtes-vous intéressé ? Inscription : voir ci-dessous.

Meisterklassen instrumental

Coaching für den Musik-Nachwuchs

Die Akademie Balthasar Neumann betreut Musikerinnen und Musiker aus aller Welt. Zu den Baden- Badener Herbstfestspielen sind natürlich auch Studierende aus der Umgebung herzlich willkommen. In „Meisterklassen“ geht es um die instrumentale Berufsvorbereitung. Coaches und Mitglieder des Balthasar- Neumann-Ensembles geben kostenfreie Stunden mit den Schwerpunkten Romantik, historisch informiertes Musizieren und Spielen auf historischen Instrumenten. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Tag des Musikunterrichts

Impulse ohne Grenzen

Seit vielen Jahren arbeitet das Festspielhaus Baden- Baden mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe und dem Land Baden-Württemberg im Rahmen der pädagogischen Weiterbildung zusammen. Am „Tag des Musikunterrichts“ geben Künstlerinnen und Künstler Impulse für den Musikunterricht. Kurz nach dem Festival „La Grande Gare“ stehen auch grenzüberschreitende Veranstaltungen auf dem Programm. Das genaue Programm wird Anfang 2022 veröffentlicht.

KULTURREISE HERBSTFESTSPIELE

Rausch und Romantik

Liebe, Eifersucht, Rausch: Es geht hoch her in der Oper „Cavalleria Rusticana“, einer der beiden Festspiel- Aufführungen, die im Mittelpunkt dieser Kulturreise stehen. Im Sinfoniekonzert begegnen einem sogar Hexen und Teufel. Passend dazu gibt es neben den teuflisch guten Festmenüs auch eine Wein- und Schinkenprobe – wir sind schließlich im Schwarzwald, in dem es schon immer hoch herging.

Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien