Digital program booklet

La Capitale d'EteOrchestra Concert
Festspielhaus

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Hope & Zukerman

Zürcher Kammerorchester

Program

  • Wolfgang Amadeus MozartViolin Concerto No. 3 in G major, K. 216
  • Joseph HaydnSymphony No. 104 in D major, Hob I:104
  • Wolfgang Amadeus MozartSinfonia Concertante in E-flat major, K. 364

Artists

  • Violin and Direction
  • Pinchas ZukermanViolin and Viola

Epochenspiegel

1775-1779

1775

Mozart komponiert in diesem einen Jahr die fünf Violinkonzerte, bei denen seine Urheberschaft gesichert ist. 

Mit Gefechten in Lexington und Concord und der gegen die dort stationierten britischen Truppen gerichteten Belagerung Bostons durch amerikanische Milizionäre beginnt der amerikanische Unabhängigkeitskrieg.

Ludwig XVI. wird zum König von Frankreich gekrönt. 

1779

Mozart komponiert die Sinfonia concertante Es-Dur.

James Cook wird auf seiner dritten Weltumsegelung auf Hawaii (damals: Sandwich-Inseln) in einem Gefecht mit Indigenen getötet. 

Lessings „Nathan der Weise“ erscheint im Druck. 

Gemälde von George Stubbs, 1772. Es zeigt ein australisches Känguru, gestaltet nach Aufzeichnungen und Zeichnungen, die auf Weltumsegler James Cooks Reise entstanden.
1781-1785

1781

Haydn komponiert die Sechs Quartette op. 33. Sie gelten als Markstein für den Beginn der „Wiener Klassik“.

Der deutsch-britische Musiker und Astrologe William Hershel entdeckt den Planeten Uranus, wir dafür zum Mitglied der Royal Society in London gewählt und und erhält von George III. eine Pension. 

Gründung der Stadt Los Angeles in Kaliforniern durch 44 Siedler.

1785

Mozart widmet Josph Haydn seine Sechs Quartette op. 10. 

Friedrich der Große schließt einen Freundschaftsvertrag mit den USA, Preußen wird damit zu einem der ersten Verbündeten der jungen amerikanischen Nation.

Schiller schreibt die erste Fassung der „Ode an die Freude“. 

1791-1795

1791

Mozarts „La clemenza di Tito“ feiert am 6. September in Prag Premiere, die „Zauberflöte“ wird am 30. September in Wien uraufgeführt. Das „Requiem“ kann Mozart nicht mehr vollenden, er stirbt am 5. Dezember in Wien an einer bakteriellen Infektion.

Nach der Entlassung aus den Diensten der Esterházy bricht Joseph Haydn als selbständiger Komponist nach London auf, wo er und seine Musik von einem bürgerlichen Publikum gefeiert werden. Bei diesem ersten London-Aufenthalt besucht Haydn den Uranus-Entdecker Hershel.

Der Fluchtversuch des Ludwigs XVI. und seiner Familie aus den Wirren der Französischen Revolution scheitert in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni bei Varennes, wo der König erkannt und von der Nationalgarde nach Paris zurückgeleitet wird. 

1795

Bei seinem zweiten London-Aufenthalt komponiert Joseph Haydn seine letzte Sinfonie Nr. 104 in D-Dur.

Friede von Basel zwischen Preußen und dem revolutionären Frankreich: Frankreich behält die linksrheinischen Gebiete, Preußen kann sich auf Gebietsgewinnen im Osten (3. Teilung Polens) konzentrieren. 

Musiklupe

Helldunkles Moll-Dur

Mozarts Licht- und Schattenspiele

Eine der vielen Besonderheiten der Sinfonia concertante betrifft die Aufteilung der Streicher. Üblich wäre ein vierstimmiger Satz, in dem die Kontrabässe die Cellostimme verdoppeln, also Violine 1, Violine 2, Bratsche, Cello/Kontrabass. Da Mozart in dem Werk jedoch auch die Bratschen aufteilt, zeigt sich ein folgendes Partiturbild: Violine 1, Violine 2, Bratsche 1, Bratsche 2, Cello/Kontrabass. 

Die Aufspaltung der Bratschenstimmen wirkt sich vor allem auf den zweiten Satz aus: Hier teilen sich die Solisten lange Soloepisoden, wobei die Sologeige oft von Violine 1 und 2 und die Solobratsche im Orchester von Bratsche 1 und 2 begleitet wird. Mozart geht es also um Klangschattierungen – noch viel stärker zeigt sich das in der harmonischen Anlage dieser Musik. Der zweite Satz steht in c-Moll. Damals wurde das Moll-Geschlecht als fragil empfunden – wie ein unstabiles chemisches Molekül. In der kompositorischen Praxis eines Mozart oder Haydn hellen sich Moll-Stellen deshalb meist schnell ins stabilere Dur auf. Eine Moll-Stelle wechselt entweder in die so genannte Paralleltonart (bei c-Moll wäre das Es-Dur) oder sie ändert ihr Tongeschlecht (c-Moll wird zum C-Dur). Wie dem auch sei: Das System ist bipolar, es gibt nur Moll und Dur. Das Wunder Mozarts zeigt sich darin, wie dieser Komponist zwischen diesen Polen Schattierungen einbaut. Er lässt die Musik nicht einfach von Moll nach Dur wechseln, sondern schafft den Eindruck, etwas Dunkles würde sich immer weiter aufhellen. Als ob es nicht eine, sondern viele Arten von Dur gäbe: beginnend mit einem verschüchterten, dann tröstenden, schließlich triumphierenden Dur – und vielen Abstufungen dazwischen. 

Die Kompositionstechnik ist überaus kompliziert, doch das Hörerlebnis ist hoch emotional und anrührend. Vor allem, weil das triumphierende Dur bald verlassen wird und eine erneute Aufhellung nicht mehr gelingt. Dieser Satz (es gibt noch ähnliche, etwa der c-Moll-Mittelsatz im Klavierkonzert Nr. 9) ist dafür verantwortlich, dass Beethoven die c-Moll-Tonart in der Nachfolge Mozarts als schicksalhaft auffasste. Von einem Schicksal gibt es kein Entkommen. Es bleibt nur ein kurzer, zwischenzeitlicher Trost.   

Dariusz Szymanski

Zeichnung von Jacques Callot, 17. Jahrhundert. Zu sehen ist ein Hummer am Strand, der auf die aufgehende Sonne blickt.

Zitate

Sie waren sehr verschieden. Mozart war eine Treibhausfrucht. Und das größte Wunder an dem Wunderkind Mozart ist, dass es sich zu dem großen, harmonischen Schöpfer Mozart auswuchs. Haydn war nichts weniger als ein Wunderkind, und es ist das größte Wunder, dass aus dem verprügelten Chorknaben von St. Stefan, dem Lakaien bei Niccolò Porpora, dem bescheidenen und armen Wiener Gelegenheitskomponisten, nicht ein Heurigen-Musikant oder, im besten Fall, ein Chorregent an einer der zahlreichen Wiener Kirchen geworden ist, sondern der große Haydn. Mozart hatte in Frankreich, England, Italien tausend musikalische Anregungen erfahren; Haydn geriet aus Wien zuerst in die ländliche Zurückgezogenheit Niederösterreichs und dann aus einer böhmischen Ecke in eine ungarische, aus der er nur selten herauskam: Besuche in Wien wurden zu Ereignissen. Haydn holte alles aus sich selbst. Er wird „originell“, lange bevor es in der Dichtung der Zeit „Originalgenies“ gab.

Alfred Einstein, zitiert aus „Mozart. Sein Charakter, sein Werk“, 1947 (englisch 1945)

Auf dieser Komponistentafel aus dem 19. Jahrhundert rangiert Haydn über Mozart. Ganz unten: Beethoven.

Wir danken

Patenschaft: Hella Ruhland

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Zugabe