Digital program booklet

Chamber music, Recital
Festspielhaus, Hauptbühne

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Die Schöne Müllerin

Klaus Florian Vogt

Sold out

Program

  • Franz SchubertDie schöne Müllerin - Song cycle, arranged for tenor and chamber ensemble

Artists

  • Tenor
  • Ensemble Acht

Musiklupe

Signalwirkung

Was das Horn verrät

Klaus Florian Vogt war, bevor er zum Gesang wechselte, professioneller Hornist, kennt also die Besetzung seines Begleitensembles aus eigener Erfahrung als Instrumentalist. Dass außer dem Arrangeur auch er selbst ein Horn in die Besetzung aufnehmen wollte, mag damit zusammenhängen. Beide Musiker hatten aber sicher noch tiefere Beweggründe: Zum einen gilt das Horn als das romantische Instrument schlechthin – sei es als Posthorn, mit seiner Verbindung zu den romantischen Themen des Fernwehs und des Reisens, sei es als Jagdhorn, als Instrument des Waldes und der Natur. Zum anderen erwähnt Wilhelm Müller das Horn in seiner Dichtung ausdrücklich: in Nr. 14 „Der Jäger“, Nr. 17 „Die böse Farbe“ und Nr. 20 „Des Baches Wiegenlied“. Außerdem veröffentlichte er seine Lieder als „Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten“.

Bezüge zum Horn enthält schließlich auch Schuberts originale Klavierbegleitung – und zwar in Gestalt der sogenannten „Hornquinten“. Dieses Wort bezeichnet eine besondere Art der Zweistimmigkeit: Die Stimmen bewegen sich zwar nicht durchgehend im Quintabstand (sondern auch in Terzen und Sexten), doch das Intervall der Quinte ist das charakteristische. Hornquinten ergeben sich aus dem begrenzten Tonvorrat der ventillosen Naturhörner und wecken sofort Assoziationen an Hornklänge sowie an Wald und Jagd, selbst wenn gar kein reales Horn beteiligt ist. Schubert nutzte in den schon genannten Liedern Nr. 14, Nr. 17 und Nr. 20 Hornquinten als Klangchiffre für den feschen Jäger, den Nebenbuhler des Müllergesellen. Daneben aber auch in Nr. 16 „Die liebe Farbe“ – dort zu den Worten „Mein Schatz hat‘ Grün so gern“. Tarkmann geht noch einen Schritt weiter und fügt ganz zu Beginn des Liedes Nr. 13 „Mit dem grünen Lautenbande“ ein signalhaftes Motiv in absteigenden Hornquinten hinzu, das nicht in Schuberts Klavierbegleitung zu finden ist. Hier weiß die Musik bereits mehr als der Text vom hoffnungsfrohen Müllergesellen.

Jürgen Ostmann

Der Fuchs hat noch mal Glück gehabt: Das Schulwandbild „Wald“ fasst schön zusammen, was einem so in den Sinn kommt, wenn das Horn tönt.

Zitate

„Allerdings habe ich den ursprünglichen Klavierpart in meiner Bearbeitung erheblich aufgewertet und als Instrumentalensemble zu einem nahezu gleichberechtigten Partner der Singstimme werden lassen. Die große Entwicklung innerhalb der Dichtung, ihre enorme Fallhöhe, öffnet einen Raum, den ich in der Bearbeitung nutzen konnte: die verschiedenen Instrumente gaben mir beispielweise die Möglichkeit, frühzeitig anzudeuten, welches Unheil kommen mag, und ich fand es durchaus reizvoll, durch die Bearbeitung an der ein oder anderen Stelle mehr zu erzählen als der Handelnde selbst weiß. [...] Gelegentlich habe ich mir die formale Freiheit erlaubt, bei manchen Liedern Vor- und Nachspiele hinzuzufügen. […] Grundsätzlich habe ich bei meiner Fassung der ‚Schönen Müllerin‘ mit der Zielsetzung gearbeitet, ein romantisches Werk in seinen Bearbeitungsmöglichkeiten auszuloten. Jedoch sollte der Künstler des 21. Jahrhunderts, der ich nun einmal bin, dabei unsichtbar bzw. unhörbar bleiben. Das Werk soll auch in meiner Bearbeitung ganz der Romantik verhaftet bleiben, ohne ein Wissen hineinzubringen, das die Musik damals noch nicht hatte.“

Andreas N. Tarkmann im Booklet-Text zu Klaus Florian Vogts CD-Einspielung mit dem Ensemble Acht

Arrangements des Komponisten Andreas N. Tarkmann waren in Baden-Baden auch schon von Kammermusikensembles der Berliner Philharmoniker zu hören. Der Hannoveraner zählt zu den gefragtesten Bearbeitern im klassischen Konzertbetrieb.

Liedtexte

1. Das Wandern

Das Wandern ist des Müllers Lust,

Das Wandern!

Das muß ein schlechter Müller sein,

Dem niemals fiel das Wandern ein,

Das Wandern.

 

Vom Wasser haben wir’s gelernt,

Vom Wasser!

Das hat nicht Rast bei Tag und Nacht,

Ist stets auf Wanderschaft bedacht,

Das Wasser.

 

Das sehn wir auch den Rädern ab,

Den Rädern!

Die gar nicht gerne stille stehn,

Die sich mein Tag nicht müde gehn,

Die Räder.

 

Die Steine selbst, so schwer sie sind,

Die Steine!

Sie tanzen mit den muntern Reihn

Und wollen gar noch schneller sein,

Die Steine.

 

O Wandern, Wandern, meine Lust,

O Wandern!

Herr Meister und Frau Meisterin,

Laßt mich in Frieden weiter ziehn

Und wandern.

2. Wohin?

Ich hört’ ein Bächlein rauschen

Wohl aus dem Felsenquell,

Hinab zum Tale rauschen

So frisch und wunderhell.

 

Ich weiß nicht, wie mir wurde,

Nicht, wer den Rath mir gab,

Ich mußte auch hinunter

Mit meinem Wanderstab.

 

Hinunter und immer weiter,

Und immer dem Bache nach,

Und immer heller rauschte,

Und immer heller der Bach.

 

 

Ist das denn meine Straße?

O Bächlein, sprich, wohin?

Du hast mit deinem Rauschen

Mir ganz berauscht den Sinn.

 

Was sag ich denn vom Rauschen?

Das kann kein Rauschen sein:

Es singen wohl die Nixen

Dort unten ihren Reihn.

 

Laß singen, Gesell, laß rauschen,

Und wandre fröhlich nach!

Es gehn ja Mühlenräder

In jedem klaren Bach.

3. Halt!

Eine Mühle seh ich blinken

Aus den Erlen heraus,

Durch Rauschen und Singen

Bricht Rädergebraus.

 

Ei willkommen, ei willkommen,

Süßer Mühlengesang!

Und das Haus, wie so traulich!

Und die Fenster, wie blank!

 

Und die Sonne, wie helle

Vom Himmel sie scheint!

Ei, Bächlein, liebes Bächlein,

War es also gemeint?

4. Danksagung an den Bach

War es also gemeint,

Mein rauschender Freund,

Dein Singen, dein Klingen,

War es also gemeint?

 

Zur Müllerin hin!

So lautet der Sinn.

Gelt, hab’ ich’s verstanden?

Zur Müllerin hin!

 

Hat sie dich geschickt?

Oder hast mich berückt?

Das möcht’ ich noch wissen,

Ob sie dich geschickt.

 

Nun wie’s auch mag sein,

Ich gebe mich drein:

Was ich such’, ist gefunden,

Wie’s immer mag sein.

 

Nach Arbeit ich frug,

Nun hab ich genug,

Für die Hände, für’s Herze

Vollauf genug!

5. Am Feierabend

Hätt’ ich tausend

Arme zu rühren!

Könnt’ ich brausend

Die Räder führen!

Könnt’ ich wehen

Durch alle Haine!

Könnt’ ich drehen

Alle Steine!

Daß die schöne Müllerin

Merkte meinen treuen Sinn!

 

Ach, wie ist mein Arm so schwach!

Was ich hebe, was ich trage,

Was ich schneide, was ich schlage,

Jeder Knappe thut mir’s nach.

Und da sitz’ ich in der großen Runde,

In der stillen kühlen Feierstunde,

Und der Meister sagt zu Allen:

Euer Werk hat mir gefallen;

Und das liebe Mädchen sagt

Allen eine gute Nacht.

6. Der Neugierige

 Ich frage keine Blume,

Ich frage keinen Stern,

Sie können mir alle nicht sagen,

Was ich erführ’ so gern.

 

Ich bin ja auch kein Gärtner,

Die Sterne stehn zu hoch;

Mein Bächlein will ich fragen,

Ob mich mein Herz belog.

 

O Bächlein meiner Liebe,

Wie bist du heut so stumm!

Will ja nur Eines wissen,

Ein Wörtchen um und um.

 

Ja, heißt das eine Wörtchen,

Das andre heißet Nein,

Die beiden Wörtchen schließen

Die ganze Welt mir ein.

 

O Bächlein meiner Liebe,

Was bist du wunderlich!

Will’s ja nicht weiter sagen,

Sag’, Bächlein, liebt sie mich?

7. Ungeduld

Ich schnitt’ es gern in alle Rinden ein,

Ich grüb’ es gern in jeden Kieselstein,

Ich möcht’ es sä’n auf jedes frische Beet

Mit Kressensamen, der es schnell verräth,

Auf jeden weißen Zettel möcht’ ich’s schreiben:

Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben.

 

Ich möcht’ mir ziehen einen jungen Staar,

Bis daß er spräch’ die Worte rein und klar,

Bis er sie spräch’ mit meines Mundes Klang,

Mit meines Herzens vollem, heißen Drang;

Dann säng’ er hell durch ihre Fensterscheiben:

Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben.

 

Den Morgenwinden möcht’ ich’s hauchen ein,

Ich möcht’ es säuseln durch den regen Hain;

O, leuchtet’ es aus jedem Blumenstern!

Trüg’ es der Duft zu ihr von nah’ und fern!

Ihr Wogen, könnt ihr nichts als Räder treiben?

Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben.

 

Ich meint’, es müßt’ in meinen Augen stehn,

Auf meinen Wangen müßt’ man’s brennen sehn,

Zu lesen wär’s auf meinem stummen Mund,

Ein jeder Athemzug gäb’s laut ihr kund;

Und sie merkt nichts von all’ dem bangen Treiben:

Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben.

8. Morgengruß

 Guten Morgen, schöne Müllerin!

Wo steckst du gleich das Köpfchen hin,

Als wär’ dir was geschehen?

Verdrießt dich denn mein Gruß so schwer?

Verstört dich denn mein Blick so sehr?

So muß ich wieder gehen.

 

O laß mich nur von ferne stehn,

Nach deinem lieben Fenster sehn,

Von ferne, ganz von ferne!

Du blondes Köpfchen, komm hervor!

Hervor aus eurem runden Thor,

Ihr blauen Morgensterne!

 

Ihr schlummertrunknen Äugelein,

Ihr thaubetrübten Blümelein,

Was scheuet ihr die Sonne?

Hat es die Nacht so gut gemeint,

Daß ihr euch schließt und bückt und weint

Nach ihrer stillen Wonne?

 

Nun schüttelt ab der Träume Flor,

Und hebt euch frisch und frei empor

In Gottes hellen Morgen!

Die Lerche wirbelt in der Luft,

Und aus dem tiefen Herzen ruft

Die Liebe Leid und Sorgen.

9. Des Müllers Blumen

Am Bach viel kleine Blumen stehn,

Aus hellen blauen Augen sehn;

Der Bach der ist des Müllers Freund,

Und hellblau Liebchens Auge scheint,

Drum sind es meine Blumen.

 

Dicht unter ihrem Fensterlein

Da will ich pflanzen die Blumen ein,

Da ruft ihr zu, wenn Alles schweigt,

Wenn sich ihr Haupt zum Schlummer neigt,

Ihr wißt ja, was ich meine.

 

Und wenn sie thät die Äuglein zu,

Und schläft in süßer, süßer Ruh’,

Dann lispelt als ein Traumgesicht

Ihr zu: Vergiß, vergiß mein nicht!

Das ist es, was ich meine.

 

Und schließt sie früh die Laden auf,

Dann schaut mit Liebesblick hinauf:

Der Thau in euren Äugelein,

Das sollen meine Thränen sein,

Die will ich auf euch weinen.

10. Tränenregen

Wir saßen so traulich beisammen

Im kühlen Erlendach,

Wir schauten so traulich zusammen

Hinab in den rieselnden Bach.

 

Der Mond war auch gekommen,

Die Sternlein hinterdrein,

Und schauten so traulich zusammen

In den silbernen Spiegel hinein.

 

Ich sah nach keinem Monde,

Nach keinem Sternenschein,

Ich schaute nach ihrem Bilde,

Nach ihrem Auge allein.

 

Und sahe sie nicken und blicken

Herauf aus dem seligen Bach,

Die Blümlein am Ufer, die blauen,

Sie nickten und blickten ihr nach.

 

Und in den Bach versunken

Der ganze Himmel schien,

Und wollte mich mit hinunter

In seine Tiefe ziehn.

 

Und über den Wolken und Sternen

Da rieselte munter der Bach,

Und rief mit Singen und Klingen:

Geselle, Geselle, mir nach!

 

Da gingen die Augen mir über,

Da ward es im Spiegel so kraus;

Sie sprach: Es kommt ein Regen,

Ade, ich geh’ nach Haus.

11. Mein!

Bächlein, laß dein Rauschen sein!

Räder, stellt eu’r Brausen ein!

All ihr muntern Waldvögelein,

Groß und klein,

Endet eure Melodein!

Durch den Hain

Aus und ein

Schalle heut’ ein Reim allein:

Die geliebte Müllerin ist mein!

Mein!

Frühling, sind das alle deine Blümelein?

Sonne, hast du keinen hellern Schein?

Ach, so muß ich ganz allein,

Mit dem seligen Worte mein,

Unverstanden in der weiten Schöpfung sein!

12. Pause

 Meine Laute hab’ ich gehängt an die Wand,

Hab’ sie umschlungen mit einem grünen Band -

Ich kann nicht mehr singen, mein Herz ist zu voll,

Weiß nicht, wie ich’s in Reime zwingen soll.

Meiner Sehnsucht allerheißesten Schmerz

Durft’ ich aushauchen in Liederscherz,

Und wie ich klagte so süß und fein,

Glaubt’ ich doch, mein Leiden wär’ nicht klein.

Ei, wie groß ist wohl meines Glückes Last,

Daß kein Klang auf Erden es in sich faßt?

 

Nun, liebe Laute, ruh’ an dem Nagel hier!

Und weht ein Lüftchen über die Saiten dir,

Und streift eine Biene mit ihren Flügeln dich,

Da wird mir so bange und es durchschauert mich.

Warum ließ ich das Band auch hängen so lang?

Oft fliegt’s um die Saiten mit seufzendem Klang.

Ist es der Nachklang meiner Liebespein?

Soll es das Vorspiel neuer Lieder sein?

13. Mit dem grünen Lautenbande

„Schad’ um das schöne grüne Band,

Daß es verbleicht hier an der Wand,

Ich hab’ das Grün so gern!“

So sprachst du, Liebchen, heut zu mir;

Gleich knüpf’ ich’s ab und send’ es dir:

Nun hab’ das Grüne gern!

 

Ist auch dein ganzer Liebster weiß,

Soll Grün doch haben seinen Preis,

Und ich auch hab’ es gern.

Weil unsre Lieb’ ist immer grün,

Weil grün der Hoffnung Fernen blühn,

Drum haben wir es gern.

 

Nun schlinge in die Locken dein

Das grüne Band gefällig ein,

Du hast ja’s Grün so gern.

Dann weiß ich, wo die Hoffnung grünt,

Dann weiß ich, wo die Liebe thront,

Dann hab’ ich’s Grün erst gern.

14. Der Jäger

 Was sucht denn der Jäger am Mühlbach hier?

Bleib’, trotziger Jäger, in deinem Revier!

Hier giebt es kein Wild zu jagen für dich,

Hier wohnt nur ein Rehlein, ein zahmes, für mich.

Und willst du das zärtliche Rehlein sehn,

So laß deine Büchsen im Walde stehn,

Und laß deine klaffenden Hunde zu Haus,

Und laß auf dem Horne den Saus und Braus,

Und scheere vom Kinne das struppige Haar,

Sonst scheut sich im Garten das Rehlein fürwahr.

 

Doch besser, du bliebest im Walde dazu,

Und ließest die Mühlen und Müller in Ruh’.

Was taugen die Fischlein im grünen Gezweig?

Was will denn das Eichhorn im bläulichen Teich?

Drum bleibe, du trotziger Jäger, im Hain,

Und laß mich mit meinen drei Rädern allein;

Und willst meinem Schätzchen dich machen beliebt,

So wisse, mein Freund, was ihr Herzchen betrübt:

Die Eber, die kommen zu Nacht aus dem Hain,

Und brechen in ihren Kohlgarten ein,

Und treten und wühlen herum in dem Feld:

Die Eber, die schieß, du Jägerheld!

15. Eifersucht und Stolz

Wohin so schnell, so kraus und wild, mein lieber Bach?

Eilst du voll Zorn dem frechen Bruder Jäger nach?

Kehr’ um, kehr’ um, und schilt erst deine Müllerin

Für ihren leichten, losen, kleinen Flattersinn.

Sahst du sie gestern Abend nicht am Thore stehn,

Mit langem Halse nach der großen Straße sehn?

Wenn von dem Fang der Jäger lustig zieht nach Haus,

Da steckt kein sittsam Kind den Kopf zum Fenster ‘naus.

Geh’, Bächlein, hin und sag’ ihr das, doch sag’ ihr nicht,

Hörst du, kein Wort, von meinem traurigen Gesicht;

Sag’ ihr: Er schnitzt bei mir sich eine Pfeif’ aus Rohr,

Und bläst den Kindern schöne Tänz’ und Lieder vor.

16. Die liebe Farbe

In Grün will ich mich kleiden,

In grüne Thränenweiden,

Mein Schatz hat’s Grün so gern.

Will suchen einen Zypressenhain,

Eine Haide von grünem Rosmarein:

Mein Schatz hat’s Grün so gern.

 

Wohlauf zum fröhlichen Jagen!

Wohlauf durch Haid’ und Hagen!

Mein Schatz hat’s Jagen so gern.

Das Wild, das ich jage, das ist der Tod,

Die Haide, die heiß’ ich die Liebesnoth:

Mein Schatz hat’s Jagen so gern.

 

Grabt mir ein Grab im Wasen,

Deckt mich mit grünem Rasen,

Mein Schatz hat’s Grün so gern.

Kein Kreuzlein schwarz, kein Blümlein bunt,

Grün, Alles grün so rings umher!

Mein Schatz hat’s Grün so gern.

17. Die böse Farbe

Ich möchte ziehn in die Welt hinaus,

Hinaus in die weite Welt,

Wenn’s nur so grün, so grün nicht wär’

Da draußen in Wald und Feld!

 

Ich möchte die grünen Blätter all’

Pflücken von jedem Zweig,

Ich möchte die grünen Gräser all’

Weinen ganz todtenbleich.

 

Ach Grün, du böse Farbe du,

Was siehst mich immer an,

So stolz, so keck, so schadenfroh,

Mich armen weißen Mann?

 

Ich möchte liegen vor ihrer Thür,

In Sturm und Regen und Schnee,

Und singen ganz leise bei Tag und Nacht

Das eine Wörtchen Ade!

 

Horch, wenn im Walde ein Jagdhorn schallt,

Da klingt ihr Fensterlein,

Und schaut sie auch nach mir nicht aus,

Darf ich doch schauen hinein.

 

O binde von der Stirn dir ab

Das grüne, grüne Band,

Ade, Ade! und reiche mir

Zum Abschied deine Hand!

18. Trockne Blumen

Ihr Blümlein alle,

Die sie mir gab,

Euch soll man legen

Mit mir in’s Grab.

 

Wie seht ihr alle

Mich an so weh,

Als ob ihr wüßtet,

Wie mir gescheh’?

 

Ihr Blümlein alle,

Wie welk, wie blaß?

Ihr Blümlein alle,

Wovon so naß?

 

Ach, Thränen machen

Nicht maiengrün,

Machen todte Liebe

Nicht wieder blühn.

 

Und Lenz wird kommen,

Und Winter wird gehn,

Und Blümlein werden

Im Grase stehn,

 

Und Blümlein liegen

In meinem Grab,

Die Blümlein alle,

Die sie mir gab.

 

Und wenn sie wandelt

Am Hügel vorbei,

Und denkt im Herzen:

Der meint’ es treu!

 

Dann Blümlein alle,

Heraus, heraus!

Der Mai ist kommen,

Der Winter ist aus.

19. Der Müller und der Bach

 Der Müller:

 Wo ein treues Herze

 In Liebe vergeht,

 Da welken die Lilien

 Auf jedem Beet.

 

 Da muß in die Wolken

 Der Vollmond gehn,

 Damit seine Thränen

 Die Menschen nicht sehn.

 

 Da halten die Englein

 Die Augen sich zu,

 Und schluchzen und singen

 Die Seele zur Ruh’.

 

Der Bach:

Und wenn sich die Liebe

Dem Schmerz entringt,

Ein Sternlein, ein neues,

Am Himmel erblinkt.

 

Da springen drei Rosen,

Halb roth und halb weiß,

Die welken nicht wieder,

Aus Dornenreis.

 

Und die Engelein schneiden

Die Flügel sich ab,

Und gehn alle Morgen

Zur Erde herab.

 

Der Müller:

Ach, Bächlein, liebes Bächlein,

Du meinst es so gut:

Ach, Bächlein, aber weißt du,

Wie Liebe thut?

 

Ach, unten, da unten,

Die kühle Ruh’!

Ach, Bächlein, liebes Bächlein,

So singe nur zu.

Gute Ruh’, gute Ruh’!

Thu die Augen zu!

Wandrer, du müder, du bist zu Haus.

Die Treu’ ist hier,

Sollst liegen bei mir,

Bis das Meer will trinken die Bächlein aus.

 

Will betten dich kühl,

Auf weichen Pfühl,

In dem blauen krystallenen Kämmerlein.

Heran, heran,

Was wiegen kann,

Woget und wieget den Knaben mir ein!

 

Wenn ein Jagdhorn schallt

Aus dem grünen Wald,

Will ich sausen und brausen wohl um dich her.

Blickt nicht hinein,

Blaue Blümelein!

Ihr macht meinem Schläfer die Träume so schwer.

 

Hinweg, hinweg

Von dem Mühlensteg,

Böses Mägdelein, daß ihn dein Schatten nicht weckt!

Wirf mir herein

Dein Tüchlein fein,

Daß ich die Augen ihm halte bedeckt!

 

Gute Nacht, gute Nacht!

Bis Alles wacht,

Schlaf’ aus deine Freude, schlaf’ aus dein Leid!

Der Vollmond steigt,

Der Nebel weicht,

Und der Himmel da droben, wie ist er so weit!