Zwei Sozialisten in Baden-Baden

Das Duo Brecht und Eisler fand erst hier richtig zusammen

Die Zusammenarbeit zwischen Bertolt Brecht und Hanns Eisler entwickelte sich seit ihrem ersten direkten Aufeinandertreffen beim Musikfest in Baden-Baden im Jahr 1928 zu einer kongenialen  Beziehung. Für Brecht, den Sohn des Großbürgertums, war der mütterlicherseits als Arbeiterkind groß gewordene Eisler
ideologisch und künstlerisch ein „Bote der Arbeiterbewegung“ – so zumindest beschrieb Eisler selbst die Rolle, die er in der Beziehung spielte.

Im Februar 1934 besuchte Eisler den Wortkünstler Bertolt Brecht (Marcel Reich-Ranicki: „neben Thomas Mann und Franz Kafka der Jahrhundertdichter!“) in dessen dänischem Refugium Skovsbostrand. Bis zu Eislers Abreise im April arbeiteten die beiden Brechts „Die Rundköpfe und die Spitzköpfe“ um. Das im
Untertitel als „Greuelmärchen“ ausgewiesene Stück ist eine Parabel auf den Niedergang der Weimarer Republik und den Aufstieg, die Herrschaft und die Machtmechanismen des Nationalsozialismus. Ursprünglich war Brecht von Shakespeares Komödie „Measure for Measure“ ausgegangen. Brecht verließ die
Vorlage schließlich fast ganz, um Rassenhass und Judenverfolgung der Nazis als kapitalistischen Trick zu enttarnen und die „unerhörte Verführungskraft“ faschistischer Phraseologie vorzuführen.  Am 28. Februar 1933, dem Tag nach dem Reichstagsbrand, musste Brecht mit den Druckfahnen des bereits fertig gesetzten Stückes Deutschland verlassen. Bei der anschließenden Umarbeitung im Frühjahr 1934 verlegte er den Schauplatz zunächst nach Peru, koppelte ihn dann aber doch von jeder geographischen Erkennbarkeit ab und siedelte ihn in dem Phantasiestaat Jahoo an.

Der Autodidakt Eisler komponierte seine bestens Songs in dieser Schaffensphase. Im „Lied von der belebenden Wirkung des Geldes“ führt ein Richter den Zusammenhang von Geld und Moral vor: „Aber wenn der Gute etwas Geld hat, hat er doch, was er zum Gutsein braucht“. Mit einer fast listig-verspielten, etüdenhaften Einleitung beginnt das Lied lapidar, bevor es „umkippt“. In das heile Gerüst drängeln sich mehr und mehr Seufzer und Dissonanzen. Unablässige Repetitionen schaffen den beunruhigenden Eindruck eines Herzrasens. Dazu steht der Moritaten-Duktus der Singstimme immer wieder quer. Das „Lied eines Freudenmädchens“, das die junge Bordell-„Angestellte“ Nanna singt, kommt auf den ersten Blick weniger ironisch als abgeklärt und illusionslos daher. Eingeleitet von einer Art Fanfarensignal lässt Eisler die Strophen beinahe atemlos singen. Der Gesang schraubt sich hoch, dann würgt Eisler ihn regelrecht ab, bevor der Refrain süffisant in einem „schön“ abgerundeten musikalischen Gewand erklingt.

Selke Harten-Strehk

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Sonntag 16 Apr 2017 18:00 H

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