Wer wagt, gewinnt

Marcelo Álvarez setzte mit 30 alles auf eine Karte – zum Glück!

Marcelo Álvarez hat es ruhig angehen lassen. Seit einigen Jahren entwickelt er seine Stimme vorsichtig in das eher heldenhafte italienische Rollenrepertoire und ist daher auf dem besten Wege, noch eine lange Karriere vor sich zu haben. Als Cavaradossi ist der argentinische Tenor schon seit einigen Jahren zu hören, und mittlerweile gilt er auch als eine der großen „Otello“-Hoffnungen der nächsten Jahre. Nun aber Puccini, der Cavaradossi bei den Osterfestspielen in Baden-Baden mit den Berliner Philharmonikern – eine Paraderolle des Argentiniers, aber keine Selbstverständlichkeit. Bis zu seinem 30. Lebensjahr leitete der in Cordoba geborene Tenor eine Möbel-Fabrik und probierte seine Stimme in Karaoke-Shows, und nicht auf großen Opernbühnen. Seine Frau riet ihm, das Wagnis einzugehen und zog mit ihm nach Italien, wo das Opernwunder Álvarez seinen Lauf nahm. Heute ist der Tenor froh, dass er seine Stimme auf die gute alte Art an die Herausforderungen der großen Verismo-Opern herangeführt hat. Lange pflegte er das französische und italienische Belcanto-Repertoire, bis er sich an die „dicken Brocken“ heranwagte. „Bei den Franzosen habe ich gelernt, richtige Pianissimi zu singen, von den Italienern kommt die vokale Rundung“, sagte er in einem Interview der Wiener Tageszeitung „Die Presse“. In Baden-Baden ist Marcelo Álvarez zum zweiten Mal zu hören. 1998 sang er während eines Gastspiels des Königlichen Opernhauses Covent Garden den Alfredo in Verdis „La Traviata“. Nun ist er in der Neuinszenierung der Oper „Tosca“ bei den Osterfestspielen mit den Berliner Philharmonikern wieder zu erleben. Aufführungen: 7., 10., 13. und 17. April 2017.