Schrei der Hoffnung

Das Schicksalsmotiv in Tschaikowskys Fünfter

Schon bei Ludwig van Beethoven hörte so mancher das Schicksal an die Pforte pochen: Das klopfende Anfangsmotiv (Ta-ta-ta-taaa!) seiner fünften Sinfonie ging als Schicksalsmotiv in die Musikgeschichte ein. Auch in Peter Tschaikowskys fünfter Sinfonie gibt es ein solches Schicksalsmotiv. Schwermütig, fast wie ein unheilvoller Mahnruf, eröffnet es in den Klarinetten die Sinfonie und zieht sich dann wie ein roter Faden durch das ganze Werk. Man darf dieses Leitthema durchaus als musikalisches Selbstporträt Tschaikowskys verstehen, der oft sehr viel Persönliches in seine Musik gelegt hat: Der Komponist offenbart sich hier als vom Schicksal Gezeichneter. Dem Themenkopf mit seinen rhythmisierten Tonwiederholungen haftet etwas Insistierendes, ja Unausweichliches an. Ihm folgen fünf düstere Schritte hinab in die Dunkelheit, ins Ungewisse, in den Abgrund. Im Laufe der Sinfonie taucht dieser Schicksalsgedanke immer wieder auf, verändert dabei aber seinen Stimmungsgehalt: Je nach Spielweise, Instrumentierung, Ton- und Taktart klingt er mal hoffnungslos und dumpf, mal kriegerisch, mal hell und heiter. Im zweiten Satz gellt er als martialisches Fortissimo-Signal der Blechbläser durch den Saal. Fast ulkig wirkt er dann gegen Ende des dritten Satzes in Fagott und Klarinette, wenn ihn Tschaikowsky auf eigentümliche Weise in den Dreiertakt eines Walzers presst – um ihn zu Beginn des Finales gleich in vollem Streicherglanz erstrahlen zu lassen. Wenig später ertönt der Themenkopf als Fanfare in Horn und Posaune, die absteigende Tonfolge als dunkler Choral im kompletten Bläsersatz. Nach vielen weiteren Verwandlungen steigert sich Tschaikowskys Schicksalsthema zur triumphalen Siegeshymne, die dem abgründigen Beginn der Sinfonie schreiende Hoffnung entgegensetzt.

Katja Tschirwitz

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Samstag 15 Apr 2017 18:00 H

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