Maß, Mitte, Miteinander

Saisonstart 2020/2021 unter neuen Vorzeichen

Bild, welches Benedikt Stampa C Christian Grund zeigt.

Mit dem neuen Ballett „Ghost Light“ des Hamburg Ballett John Neumeier starten die Festspiele Baden-Baden am 8. Oktober in die Saison 2020/2021. Intendant Benedikt Stampa passt sein Programm aufgrund der aktuellen Pandemie mit Hilfe vieler den Festspielen eng verbundener Künstlerinnen und Künstler an. Der Intendant sagt: „Die Kunst ist es, mit Maß und Mitte zu einem neuen Miteinander zu finden. Das beziehe ich auf das physische Beisammensein von Menschen in Foyer und Zuschauersaal, aber auch auf das Miteinander von Veranstalter und Künstlern.“

Angesichts der Schutzmaßnahmen in der andauernden Coronavirus-Pandemie wird der Saalplan des größten deutschen Opern- und Konzerthauses zunächst auf 500 Plätze reduziert. Gleichzeitig verändert sich das Programm aufgrund der unterschiedlichen Hygieneauflagen, unter denen die Festspielhaus-Künstler derzeit proben und reisen. Bekannt gegeben wird das Programm in mehreren Stufen – zunächst bis zum 1. November 2020.

Eröffnung mit einem neuen Ballett von John Neumeier

„Ghost Light“ von John Neumeier wird bis zum 11. Oktober 2020 viermal zu sehen sein. Der Hamburger Ballett-Intendant und Choreograph moderiert am 11. Oktober 2020 auch eine „Ballett-Werkstatt“ zu diesem Werk.

Das Hamburg Ballett gehörte international zu den ersten Compagnien, die nach dem Shutdown die Arbeit im Ballettsaal wiederaufgenommen haben. Bald darauf entwickelte John Neumeier die Idee, ein Werk zu kreieren, das das geltende Abstandsgebot nicht nur respektiert, sondern es zugleich zur Grundlage der Struktur macht.

John Neumeiers Konzept bezieht 55 Tänzerinnen und Tänzer seiner Compagnie mit ein. Mit Blick auf das Abstandsgebot gestaltete er die praktische Arbeit in Kleingruppen von zwei bis maximal acht Tänzern. „‚Ghost Light‘ ist ein Ensemble-Ballett, das ich in Fragmenten entwickle. Es ist vergleichbar mit einzelnen Instrumentalstimmen einer Sinfonie – oder einem traditionellen japanischen Essen: eine Folge sorgsam arrangierter, hoffentlich ‚köstlicher‘ Miniaturen. Wie die einzelnen Teile sich letztlich zu einem Werk verbinden, wird von dem Moment abhängen, in dem wir uns auf der Bühne wieder nahekommen und anfassen dürfen“, so John Neumeier.

John Neumeier knüpft mit dem Titel „Ghost Light“ an eine Tradition des amerikanischen Theaters an. Nach Proben oder Aufführungen wird mitten auf der Bühne ein Metallständer mit einer einzigen Glühbirne aufgestellt. Die Lampe zeigt an, dass kein Künstler die Bühne nutzen darf. Das Ghost Light brennt die ganze Nacht hindurch – bis sich die Bühne wieder mit Leben füllt.

Der deutsch-französische Sender ARTE plant, „Ghost Light“ aus Baden-Baden live im Internet zu zeigen und anschließend im Fernsehen zu präsentieren.

Im Festspielhaus Baden-Baden wird die Saison anschließend mit Konzerten der Bamberger Symphoniker und der Cellistin Sol Gabetta (23. Oktober 2020, 20 Uhr) sowie mit einer Matinee mit der ukrainischen Geigerin Diana Tishchenko (25. Oktober 2020, 11 Uhr) fortgesetzt.

Thomas Hengelbrock mit Brahms-Wochenende

Neu konzipiert wurde das „Allerheiligen-Wochenende“, 30. Oktober bis 1. November 2020. „Ich bin Thomas Hengelbrock und dem Balthasar-Neumann-Ensemble sehr dankbar, dass sie uns dieses Wochenende mit einem wahrlich festspielwürdigen Programm retten“, so Benedikt Stampa.

Mit dem „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms beginnt das „Mini-Festival“ am 30. Oktober 2020 um 20 Uhr. Gleich zwei Konzerte stehen am Samstag, 31. Oktober 2020, auf dem Baden-Badener Programm: In einem sinfonischen Programm interpretiert Thomas Hengelbrock mit dem Balthasar-Neumann-Ensemble die dritte Sinfonie F-Dur von Johannes Brahms. Außerdem erklingen der Konzertwalzer „Seid umschlungen, Millionen“ und Arien von Johann Strauß.

Noch einmal erklingt das „Deutsche Requiem“ am 31. Oktober 2020 um 20 Uhr, bevor am Allerheiligentag das sinfonische Brahms-Programm als Matinee um 11 Uhr wiederholt wird.

„Mit der neuen Programmstruktur kann es uns gelingen, vielen Musikfreunden den so lange vermissten Konzertbesuch sicher zu ermöglichen“, sagt Intendant Benedikt Stampa. „Die Flexibilität und der Ideenreichtum der Musikerinnen und Musiker sind in diesem Zusammenhang nicht hoch genug zu loben.“

Künstlerische Freundschaften sind belastbar

„Gewachsene Künstler-Freundschaften und Fairness gegenüber den Musikern sind derzeit der Schlüssel zu einem festspielwürdigen Programm“, so Benedikt Stampa, der seit Monaten eng mit den Dirigenten, Orchestern, Sängern und Ballett-Compagnien der Saison 2020/2021 an Alternativprogrammen arbeitet, wo dies nötig ist. „Ohne zu viel verraten zu wollen, kann ich aber bereits ankündigen, dass wir im weiteren Verlauf der Saison auch auf großartige Ensembles wie die Berliner Philharmoniker oder das SWR Symphonieorchester setzen können – ebenso auf Stars wie Cecilia Bartoli oder Elīna Garanča.“

Besucherinnen und Besucher werden persönlich beraten

Alle Besucherinnen und Besucher des Festspielhauses und der Festspiele, die bereits Eintrittskarten für den Herbst 2020 gekauft haben, werden in diesen Tagen persönlich angeschrieben. „Wir erklären sehr genau, welche Möglichkeiten bestehen“, erläutert Benedikt Stampa, der seinem Team in diesem Zusammenhang dankt: „Seit Monaten leisten die Kolleginnen und Kollegen in der Kundenkommunikation Außergewöhnliches.“

Den Besucherinnen und Besuchern sowie den Förderern des Festspielhauses und der Festspiele dankt der Intendant besonders: „Ohne die Geduld, die Spenden und die Solidarität der vergangenen Monate wäre es nicht möglich gewesen, an ein Programm im Herbst zu glauben. Wir sind allen Unterstützern, natürlich auch der Stadt Baden-Baden und dem Land Baden-Württemberg, entsprechend dankbar.“

Nächste Programmstufe ab Mitte September

Mitte September möchte Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa weitere Programme des Herbstes 2020 bekannt geben. „Wenn die Pandemie bei uns weiter unter Kontrolle bleibt, hoffen wir darauf, vielleicht 1.000 Plätze pro Veranstaltung anbieten zu können. Voraussetzung ist und bleibt aber, dass wir uns alle respektvoll verhalten – untereinander als Besucher und wir als Veranstalter gegenüber den Künstlerinnen und Künstlern.“