Feuer und Eis

Robert Wilson und sein Team haben mit den "Otello"-Proben im Festspielhaus begonnen

Bild, welches Robert Wilson C Yiorgos Kaplanidis zeigt. © Yiorgos Kaplanidis
© Yiorgos Kaplanidis

In diesen Stunden beginnen für Robert Wilson in der fünften Etage des Festspielhauses die szenischen Proben zu "Otello". Der Regisseur und bildende Künstler kehrt damit an den Ort zurück, an dem er mit Opern wie „Aida“ und „Der Freischütz“ sowie mit seiner Berliner "Dreigroschenoper" schon große Erfolge feierte.
Nun also ist es Verdis „Otello“, dem sich der Künstler zuwendet. Dabei ist es ihm wichtig, durch deutliche Kontraste Verdis künstlerisches Anliegen zu unterstützen: „Die Schwierigkeit bei Verdi ist, dass er oft zu bombastisch genommen wird“, sagt der Regisseur, Bühnenbildner und Licht-Designer. „Dabei gibt es Passagen in allen Opern Verdis“, so Wilson, „die sehr kammermusikalisch sind, sehr still. Gerade wenn Verdis Musik besonders expressiv wird, muss man kalt bleiben. Wie Feuer und Eis auf einmal“. Jedes Illustrieren von Stimmungen ist Wilson fast ein Graus: „Wenn die Musik immer schneller wird und die Bewegung immer langsamer wird, entsteht eine Spannung zwischen dem was ich höre, und dem, was ich sehe. Und vielleicht hilft mir diese Spannung, besser zu hören und besser zu sehen.
Solche Spannungen entstehen zu lassen – dafür probt Robert Wilson jede seiner Inszenierungen in den Räumen der Watermill Foundation bei New York akribisch vor. Dabei entdeckt er auch immer wieder überrascht ein Stück Heimat: „Ich komme aus Texas und ich glaube, die texanische Landschaft ist in all meinen Arbeiten.“
Seine Art, Theater zu denken und zu inszenieren, stimmt sehr mit den Prinzipien des japanischen Nō-Theater überein: „Ich hatte schon 14 Jahre am Theater gearbeitet, als ich das erste Mal nach Japan reiste. Dort angekommen, spürte ich eine Übereinstimmung. Das bestätigte sich, als ich ein klassisches Nō-Theaterstück aus dem 14. Jahrhundert ansah.“ Damals begeisterte sich Wilson auch für die Idee, dass die Bewegungen der Darsteller für sich alleinstehen – eine eigene ästhetische Ebene innerhalb der Inszenierung bedeuten.
Solche Bewegungen werden auch im neuen Baden-Badener „Otello“ eine wichtige Rolle spielen. Die Sängerinnen und Sänger haben bereits damit begonnen, sie einzustudieren. Der Countdown bis zur Premiere am 13. April läuft…

Bild, welches Sonya Yoncheva Pressefoto 2 2018 Verdi Album C Kristian Schuller  Sony Classical zeigt.
Sa. 13.04.19 Mo. 22.04.19 Verdi: Otello

In einer Neuinszenierung von Robert Wilson. Zubin Mehta dirigiert die Berliner Philharmoniker