Osterfestspiele im Zeichen des "Beethoven-Jahres"

Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker mit „Fidelio“ und großen sinfonischen Programmen

Bild, welches Kirill Petrenko C S Rabold Phil 190109 zeigt. © S. Rabold
© S. Rabold

Die Osterfestspiele Baden-Baden stehen 2020 im Zeichen des „Beethoven-Jahres“. Kirill Petrenko dirigiert neben „Fidelio“ die „Missa Solemnis“ und Beethovens „Fünfte“ sowie Gustav Mahlers 6. Sinfonie. Gastdirigenten sind in diesem Jahr Yannick Nézet-Séguin, Tugan Sokhiev und Herbert Blomstedt.

Ludwig van Beethovens einzige Oper „Fidelio“ steht mit drei Aufführungen am 4., 7. und 13. April im Mittelpunkt der Baden-Badener Osterfestspiele 2020 mit den Berliner Philharmonikern. Der neue Chefdirigent des Orchesters, Kirill Petrenko, leitet die Neuinszenierung der slowenischen Regisseurin Mateja Koležnik. Die „Missa Solemnis“ ist neben der Oper das zweite zentrale Werk der Festspiele im Beethoven-Jahr, die vom 4. bis 13. April 2020 in Baden-Baden gefeiert werden.

Kirill Petrenko dirigiert zwei weitere Konzerte der Festspiele: Gustav Mahlers 6. Sinfonie a-Moll steht am Montag, 6. April 2020 auf dem Programm. Mitglieder der Berliner Philharmoniker unterstützen ihr „Patenorchester“, das Bundesjugendorchester, am Ostermontag, 13. April bei einer Aufführung der 5. Sinfonie c-Moll von Ludwig van Beethoven.

Prominente Solisten und Gastdirigenten

Die Sopranistin Marlis Petersen – in dieser Saison Residenz-Künstlerin bei den Berliner Philharmonikern - übernimmt die Partie der Leonore in der Neuproduktion des „Fidelio“. An ihrer Seite singt der amerikanische Tenor Matthew Polenzani den Florestan.

Gastdirigenten der Baden-Badener Osterfestspiele 2020 sind der Musikdirektor des Moskauer Bolshoi Theaters, Tugan Sokhiev, der Musikdirektor der New Yorker Metropolitan Opera, Yannick Nézet-Séguin, sowie der amerikanisch-schwedische Grandseigneur des internationalen Konzertwesens, Herbert Blomstedt.

Mit den Berliner Philharmonikern interpretiert Tugan Sokhiev am Palmsonntag, 5. April 2020 Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“. Solist des Abends ist Christian Tetzlaff, der Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll spielen wird.

Yannick Nézet-Séguin leitet Gustav Mahlers 3. Sinfonie d-Moll am Karsamstag, 11. April 2020. Solistin ist die litauische Mezzosopranistin Elīna Garanča. Am Ostersonntag dirigiert Herbert Blomstedt Bruckners 4. Sinfonie Es-Dur. Zuvor interpretiert der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nr. 22 Es-Dur.

Sämtliche Streichquartette Beethovens

Im Rahmen der Baden-Badener Osterfestspiele spielen Mitglieder der Berliner Philharmoniker erstmals sämtliche Streichquartette Beethovens im Rahmen eines Festivals. Dazu gründeten die Orchestermitglieder auch neue Ensembles.

Weltweite Aufmerksamkeit – Europas Freiheit im Fokus

„Die ersten Baden-Badener Osterfestspiele mit Chefdirigent Kirill Petrenko werden weltweit wahrgenommen“, sagt Benedikt Stampa, der seit dieser Saison Intendant des Festspielhauses und der Festspiele Baden-Baden ist.

Er möchte mit der Zusammenarbeit von Kirill Petrenko und der Theaterregisseurin Mateja Koležnik ein besonderes Zeichen im „Beethoven-Jahr 2020“ setzen: „Beethoven steht nicht nur für das Erreichen und Bejubeln der Freiheit, er steht auch für den Zweifel und das Scheitern“, sagt Benedikt Stampa, der in der Nestroy-Preisträgerin Mateja Koležnik eine Künstlerin gefunden hat, „die einen frischen Blick auf Beethoven wirft“. Der „Fidelio“ wird ihre erste Opernarbeit sein, wenngleich auch ihre Schauspiel-Inszenierungen in Stuttgart, München und Wien aus einem musikalischen Ansatz heraus choreographiert wirken.

Für Intendant Benedikt Stampa ist Mateja Koležnik die richtige „Fidelio“-Regisseurin in unserer Zeit: „Mir ist es wichtig, dass wir im ‚Beethoven-Jahr’ die Frage nach der Freiheit wieder auch auf uns persönlich und unser nächstes gesellschaftliches Umfeld beziehen“, sagt der Baden-Badener Intendant.

Die Regisseurin sieht ihre Schauspiel-Herkunft als Bereicherung für die Oper: „Ich weiß nicht, inwieweit ich als Debütantin, als Regisseurin, die vom Sprechtheater kommt, zu einer anderen, vielleicht moderneren Sichtweise auf die Opernregie beitragen kann. Ich habe mich als Regisseurin schon immer für die Fabel im Theater interessiert, für die Geschichte also, die ein Stück erzählt. In dieser Hinsicht mache ich keinen Unterschied zwischen Oper und Theater - die Protagonisten spinnen stets eine Geschichte, die mir in jeder Sekunde logisch und relevant erscheinen muss, egal ob es sich um Ibsen oder um Beethoven handelt.“

Schulen werden neu eingebunden

Im Theater Baden-Baden entsteht als zweite Oper zu den Osterfestspielen „Simplicius Simplicissimus“ von Karl Amadeus Hartmann aus dem Jahr 1948. Das Libretto geht auf den gleichnamigen Barock-Roman zurück. Autor Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen lebte und starb (1622-1676) unweit von Baden-Baden, in Renchen. Er schuf mit seinem „Simplicius“ kurz nach dem 30-jährigen Krieg einen frühen und intensiven Blick auf eine kriegs-traumatisierte Gesellschaft.

Rund um diese Oper entsteht ein regionales Schulprojekt, in dem Mitglieder der Berliner Philharmoniker, das Theater Baden-Baden und das Festspielhaus Baden-Baden kooperieren. Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit, den Probenprozess aus nächster Nähe zu beobachten und eigene kreative Ideen rund um den Stoff der Oper zu entwickeln. Die Neuinszenierung dieser Oper liegt in den Händen von Eva-Maria Höckmayr und wird nach den Festspielen im Repertoire des Theaters weitere Vorstellungen haben.