Eleganz und Vielfalt

Am 4. März 2018 gastiert um 11 Uhr das Kammermusikensemble Oxalys im Festspielhaus Baden-Baden.

Ein beglückendes, witziges – gar ironisches, Programm präsentiert das Kammermusikensemble Oxalys bei der Matinee am 4. März 2018 um 11 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden.

Die Sauerkleegewächse (Oxalis), zu deren bekanntesten Vertretern der Glücksklee gehört (Oxalis tetraphylla), stehen in Japan für Eleganz und Freundschaft. Diese Werte verbinden auch die Mitglieder des Kammermusikensembles Oxalys, das 1993 von Studenten der Brüsseler Musikhochschule gegründet wurde. Schon bald hatte sich die vielfach ausgezeichnete flämische Formation, die für klangliches Raffinement, interpretatorisches Fingerspitzengefühl und subtiles Timing bekannt ist, einen festen Platz in der internationalen Musiklandschaft eingenommen: „Ich denke“, so der Geiger Frédéric d’Ursel, „dass wir nach einer ungewöhnlichen Vielfalt von musikalischen Texturen und Klangfarben suchen. Wir versuchen, die Holzbläser- und Streicherklänge auf eine neue Art und Weise miteinander zu kombinieren.“ Für die Cellistin Amy Norrington entsteht so ein sehr „demokratisches Klangbild, da jeder sehr genau darauf achten muss, was der jeweils andere macht.“ Die Folge: Ein vollendetes Zusammenspiel, das es den Mitgliedern dieser „musikalischen Familie“ aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit heute ermöglicht, sich buchstäblich blind, also ohne Blickkontakt, zu verstehen.

Im Baden-Badener Festspielhaus präsentiert Oxalys zur Kammermusik-Matinee ein abwechslungsreiches Programm, das von Carl Nielsens „Serenata in vano für Klarinette, Fagott, Horn, Violoncello und Kontrabass“ eingeleitet wird. Wie der Titel nahelegt, handelt es sich bei diesem ungewöhnlich besetzten Stück um ein „vergebliches Ständchen“, bei dem eine leise Serenade von poetischem Zauber jedoch offenbar die erwünschte Wirkung verfehlt. Die Musiker ziehen im flotten „Tempo di marcia“ von dannen, wobei der eine oder andere der Beteiligten hörbar ins Straucheln gerät.

Von hintersinnigem Humor geprägt ist auch das nächste Werk: „Golliwogg’s Cakewalk“, das sechste Stück aus Claude Debussys Klaviersuite „Children’s Corner“, das in einem Arrangement für zwei Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass, Klarinette, Fagott und Horn von Brett Dean erklingt. Dieser musikalische Spaß geht im Mittelteil mit Anklängen an den Tristan-Akkord eindeutig auf Wagners Kosten, weshalb Debussy bei der Pariser Uraufführung auch über die Maßen nervös war, weil er (zu Unrecht) befürchtete, überzeugte Wagnerianer könnten ihm die Anspielung übelnehmen.

In die schillernden Märchenwelten Charles Perraults führt anschließend die „Pavane couleur du temps“ von Frank Martin, während Wynton Marsalis’ Komposition „Meeelaan für Fagott und Streichquartett“ Momente des Blues, des Tango und abschließend des Bebop heraufbeschwört.

Abgerundet wird der Abend mit dem Oktett „À huit für Streichquintett, Klarinette, Fagott und Horn“ von Jean Françaix, der erklärtermaßen eine „musique sans gravité“, Musik ohne Schwere, komponieren wollte. Ein Vorsatz, der auch in diesem Werk gelingt, in dem luftige Pizzicati und freche Bläserfiguren auf schmachtende Walzermelodien treffen, wobei parodistische Kaffeehausmusik-Anklänge ebenfalls für die intendierte spielerische Leichtigkeit sowie für Witz und Esprit sorgen.

Foto: Marco Borggreve

Oxalys c_Marco Borggreve

Sonntag 04 Mrz 2018 11:00 H

Oxalys

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