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Programm
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Epochenspiegel
1849-1854
1849
Nach dem Dresdner Maiaufstand wird Richard Wagner als Revolutionär gesucht, er flieht in die Schweiz.
1850
Wagner veröffentlicht in Zürich mehrere folgenreiche Schriften, darunter „Oper und Drama“ und den antisemitischen Aufsatz „Das Judentum und die Musik“. In „Oper und Drama“ erklärt Wagner die Geschichte der Oper für einen „Irrtum“ und erklärt Beethovens Sinfonien, allen voran Beethovens Neunte, zum Anknüpfungspunkt für seine „Musikdramen“.
Erster regelmäßiger Schiffsverkehr zwischen Hamburg und New York, viele Flüchtlinge der Revolutionsjahre 1848/49 wandern in die USA aus.
1851
Wagner beginnt die Arbeit am „Ring des Nibelungen“, Liszt dirigiert die Uraufführung des „Lohengrin“ in Weimar.
1854
Schopenhauers „Die Welt als Wille und Vorstellung“ wird zum prägenden Lektüreerlebnis Wagners.
Uraufführung von Goethes „Faust II“ in Hamburg.
1857-1863
1857
Wagner und seine Ehefrau Minna beziehen ein Haus auf dem Villengelände der Wesendoncks bei Zürich. Nachdem er die Idee schon einige Zeit mit sich herumgetragen hatte, beginnt Wagner beginnt die Arbeit an „Tristan und Isolde“. Mathilde Wesendonck wird seine Muse.
Gustave Flaubert steht wegen der „Unsittlichkeit“ seines Romans „Madame Bovary“ in Paris vor Gericht: Freispruch.
1858
Wagners Nähe zu Mathilde Wesendonck wird untragbar, Trennung von Minna, Vollendung von „Tristan und Isolde“ in Venedig und Luzern.
1860
Im August reist Wagner nach Baden-Baden, um die preußische Prinzessin Augusta für seine vollständige Amnestie zu gewinnen.
1863
Nach beinah 80 Proben gibt Wagner den Plan einer Uraufführung des „Tristan“ in Wien auf.
Im November Konzerte mit „Tristan“-Auszügen in Karlsruhe, Wagner besucht in Baden-Baden Pauline Viardot.
1865-1886
1865
Uraufführung von „Tristan und Isolde“ in München unter Hans von Bülow.
1871
Baden-Baden bietet Wagner den Bau eines Festspielhauses an – der hat sich schon für Bayreuth entschieden.
Der deutsch-französische Krieg endet mit der Niederlage Frankreichs und der Reichsgründung unter Kaiser Wilhelm I.
1876
Erste Festspiele in Bayreuth mit der Uraufführung des kompletten „Ring des Nibelungen“.
1883
Wagner stirbt in Venedig.
1886
Erste Aufführung von „Tristan und Isolde“ bei den Bayreuther Festspielen.
Musiklupe
Warten auf die Violine
Beethoven forderte sein Publikum herausDass sich Beethoven mit seinem Violinkonzert der gängigen Virtuosenpraxis seiner Zeit verweigern wollte, liegt auf der Hand: Er verzichtete weitgehend auf den Einsatz von Doppelgriffen, auf die kompliziert zu greifenden Flageolett-Töne mit ihrem sphärisch-hauchigen Klang sowie eine differenziertere Bogentechnik. Und doch geht es in dem Werk sehr virtuos zu. Allerdings fokussierte sich der Komponist nach französischem Vorbild auf Oktavsprünge und das kunstvolle Umspielen melodischer Linien.
Das Publikum seiner Zeit stellte die Musik dennoch vor viele Probleme. Nach dem verblüffenden Anfang in den Pauken, dem ausgiebig im Orchester und ganz ohne Beteilung der Solovioline die Vorstellung der beiden Themen des ersten Satzes folgt, verblüfft Beethoven auch zu Beginn des langsamen zweiten Satzes: Viermal nacheinander erklingt ein Lied-Thema, das ausschließlich von den Orchesterinstrumenten gespielt wird – von gedämpften Streichern, Klarinette, Fagott und schließlich vom Tutti. Der Solovioline ist zunächst nur die Funktion zugedacht, die Hauptmelodie zu umranken. Erst im zweiten Abschnitt präsentiert sie ein eigenständiges Thema und leitet schließlich mit einer Kadenz zum Schlussrondo über.
Harald Hodeige
Zitate
Es gab Zeiten, wo ich keine Aufführung des „Tristan“ im Münchner Hoftheater versäumte, dieses höchsten und gefährlichsten unter Wagners Werken, das in seiner sinnlich-übersinnlichen Inbrunst, seiner wollüstigen Schlafsucht recht etwas für junge Leute ist, für das Alter, wo das Erotische dominiert.Der Schriftsteller Thomas Mann, 1927
[Eine] abstoßend barbarische, fast tierische Sache, dieses Aufeinanderlosbrüllen zweier Geschöpfe in Liebesbrunst, wie er es praktiziert.Der Dichter Hugo von Hofmannsthal über Wagner in einem Brief an den Komponisten Richard Strauss, 1910
Der ganze „Tristan“ war die prachtvollste Belcanto-Oper, nach der die Herrn Hanslick und Spießgesellen stets so vergebens seufzen.Richard Strauss in einem Brief, den er an seinem 24. Geburtstag im Jahr 1888 nach einem „Tristan“-Probenbesuch in Bologna verfasste, mit einer Spitze gegen den Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick