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Programm
- Sergej RachmaninowRhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27
Künstler*innen
- Beatrice RanaKlavier
- Dirigent
Epochenspiegel
1897-1909
1897
Uraufführung der ersten Sinfonie von Rachmaninow am 27. März in St. Petersburg, Alexander Glasunow dirigiert. Der katastrophale Misserfolg stürzt Rachmaninow in eine tiefe Krise.
Goldrausch im Nordwesten Amerikas: Donald Trumps aus Kallstadt in die USA eingewanderter Großvater Friedrich Trump legt den Grundstein für das Familienvermögen, als Besitzer des New Arctic Hotel in Bennett, British Columbia.
1906
Im Winter 1906/07 komponiert Rachmaninow in Dresden seine zweite Sinfonie, die unter seiner Leitung am 26. Januar 1908 in St. Petersburg uraufgeführt wird.
1909
Rachmaninows erste große Konzertreise in die USA. Am 16. Januar des folgenden Jahres dirigiert Gustav Mahler in New York Rachmaninows drittes Klavierkonzert, der Komponist sitzt am Flügel.
Gründungsakt der Stadt Tel Aviv: Am 11. April verlosen 66 Familien jüdischen Glaubens untereinander Landparzellen auf einer verlassenen Düne in Palästina.
1917-1930
1917
Rachmaninow flieht mit seiner Familie vor der Oktoberrevolution über Skandinavien nach New York. Obwohl er seine Heimat schmerzlich vermisst, kehrt er nie mehr dorthin zurück.
1919
Das New York Symphony Orchestra (heute: New York Philharmonic) unter Walter Damrosch stellt Rachmaninows Orchesterfassung der „Vocalise“ erstmals dem Publikum vor. Das überaus populäre Werk hatte Rachmaninow 1915 ursprünglich für Stimme und Klavier komponiert.
Beginn der Prohibition in den USA: Laut 18. Verfassungsgrundsatz sind Herstellung, Verkauf, Transport, Ausfuhr und Einfuhr alkoholischer Getränke verboten.
1927
Rachmaninow ist Solist der Uraufführung seines vierten Klavierkonzerts am 18. März mit dem Philadelphia Orchestra unter Leopold Stokowski. Das Klavierkonzert ist seine erste größere Komposition seit er Emigration aus Russland
1930
Rachmaninow erwirbt ein Grundstück in der Schweiz am Vierwaldstättersee und lässt dort die Villa „Senar“ bauen. Dort findet der vielbeschäftigte Pianist in den Sommermonaten Ruhe zum Komponieren.
1934-1943
1934
Am 7. November Uraufführung von Rachmaninows „Paganini- Rhapsodie“ in Baltimore mit dem Philadelphia Orchestra unter Leopold Stokowski. Der Komponist sitzt am Flügel.
1936
Am 6. November Uraufführung von Rachmaninows Sinfonie Nr. 3 durch das Philadelphia Orchestra unter Eugene Ormandy.
1941
Eugen Ormandy dirigiert am 3. Januar das Philadelphia Orchestra in der Uraufführung von Rachmaninows letztem Orchesterwerk, den „Sinfonischen Tänzen“.
Wenige Wochen zuvor war das Philadelphia Orchestra unter Leopold Stokowski im „Fantasound“ in ausgesuchten Kinos zu hören, auf dem Soundtrack des Disney-Musikfilms „Fantasia“.
1943
Am 28. März stirbt Sergej Rachmaninow in Beverly Hills. Am 1. Februar war er mit seiner Frau Natalia US-amerikanischer Staatsbürger geworden.
Musiklupe
Nichts, was es nicht gibt
Wanderungen mit Paganini durch die MusikgeschichteNiccolò Paganini komponierte zwischen 1802 und 1817 insgesamt 24 Capricen für Violine solo, die zu ihrer Zeit das Nonplusultra an geigentechnischen Fertigkeiten darstellten. Die letzte Nummer – Thema mit 11 Variationen und Finale – hat nicht nur Ohrwurm-Qualitäten, sondern ist bis heute Prüfstein und Inspirationsquelle zugleich. Ihre immensen technischen Schwierigkeiten haben Komponisten nicht abgeschreckt, nein, offenbar sogar animiert, diese Variationenfolge fortzusetzen und die Schwierigkeiten dabei womöglich noch zu steigern. Von der Fassung für Tuba (Michael Searby, 2026) oder Ukulele allein (Dario Argentesi, 2019) bis zu dem „New Paganini Projekt“ (2018) des Geigers Niklas Liepe, für das 22 Komponisten und Arrangeure das Werk für Violine und Orchester gesetzt haben (inklusive einer Fassung für Jazz-Quartett von Fazil Say), gibt es fast nichts, was es nicht gibt.
Vor allem sind es Pianisten, die diese Melodie für ihr Instrument und den Konzertgebrauch weitergedacht und dabei die Schwierigkeiten gezielt gesteigert haben: Franz Liszts sechste seiner sechs Großen Etüden nach Paganini (1838/1851) hat bis heute den Ruf, eigentlich unspielbar zu sein, und auch die 1862/63 entstandenen 28 Paganini-Variationen von Johannes Brahms stehen den Höchstschwierigkeiten des Originals in nichts nach. Robert Schumann legte nach seinen frühen Studien op. 3 und den Konzertetüden op. 10 nach Paganinis Capricen gegen Lebensende noch eine Klavierbegleitung für die Sologeige vor. Die komponierenden Pianisten Mark Hambourg und Ignaz Friedman (beide Schüler des legendären Virtuosen Theodor Leschetizky) entwarfen 1902 beziehungsweise 1914 ihre eigenen Paganini-Adaptionen, und 2011 schrieb auch Marc-André Hamelin für seine durch keinerlei Schwierigkeiten zu schreckenden Finger Variationen auf das Thema der 24. Caprice.
Rachmaninow steht mit seiner Rhapsodie für Klavier und Orchester nach einem Thema von Paganini op. 43 also in einer Tradition, die virtuose Höchstschwierigkeiten und stupende musikalische Fertigkeiten mit musikalischem Anspruch verbindet und die Verneigung vor dem „Teufelsgeiger Paganini“ dazu nutzt, die eigene Musiksprache zu bereichern: Rückblick und Ausblick in einem.
Kadja Grönke/Paul Mertens
Zitate
Die Musiker und Kritiker warteten immer nur darauf, mich zu vernichten. Der eine meint: „Rachmaninow ist kein Komponist, sondern ein Pianist.“ Und der andere: „Er ist vor allem Dirigent.“ Aber das Publikum ... Ich liebe es. Überall und zu allen Zeiten hat es mich wundervoll behandelt. Rachmaninow zitiert nach den Erinnerungen von Alfred und Katherine Swan in: The Musical Quarterly, Vol. XXX, 1944Rachmaninow zitiert nach den Erinnerungen von Alfred und Katherine Swan in: The Musical Quarterly, Vol. XXX, 1944
Warum wird über russische Musik immer nur nach Maßstäben ihres „Russischseins“ gesprochen anstatt nach Maßstäben der Musik?Igor Strawinsky in den Charles Eliot Norton Lectures an der Harvard Universität, 1939/40