Festspielhaus Baden-Baden
So., 6. November 2011

Steven Isserlis & Dénes Várjon

Kinderbuchautor auf musikalischer Entdeckungsreise

BADEN-BADEN – Der Cellist Steven Isserlis ist nicht nur bekannt für die Klangschönheit und die technische Mühelosigkeit seines Spiels. Auch seine innovativ gestalteten Kammerkonzerte sind mittlerweile ein Begriff. Isserlis erweitert permanent sein Repertoire, immer auf der Suche nach weniger bekannten aber hörenswerten Werken der Celloliteratur.
 
Für die Sonntagsmatinee am 6. November um 11 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden hat er ein Programm zusammengestellt, das einige überraschende Wendungen in sich birgt.

So kombiniert er die unterhaltsame Variationsreihe des 26jährigen Beethovens über „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus der Oper „Die Zauberflöte“ mit einem anspruchsvollen Spätwerk des Komponisten: Die Cellosonate in C-Dur opus 102 Nr. 1, die  technisch wie musikalisch immense Anforderungen an den Solisten stellt.

Die „Arpeggione“-Sonate in a-Moll von Franz Schubert nimmt eine Sonderstellung im Repertoire ein. Schubert schrieb sie eigentlich für das sechsseitige Streichinstrument „Arpeggione“. Es wurde wie ein Cello gespielt, hat aber die Bünde und die Stimmung einer Gitarre. Heute ist es nur noch durch Schuberts Sonate bekannt, die sich vor allem wegen ihres strömenden, lyrischen Charakters durchsetzen konnte. Allerdings ist die spieltechnische Umsetzung auf dem Cello ausgesprochen schwierig. 

Francis Poulencs Cellosonate dagegen zeigt sich mal poetisch-verträumt, dann wieder mit lebhaftem thematisch-melodischen Wechselspiel, was von Poulencs Liebe für Zirkus, Ballett und Film zeugt. 
 
Steven Isserlis

Steven Isserlis entstammt einem faszinierenden kulturellen Umfeld: Sein Großvater war der russische Pianist und Komponist Julius Isserlis, seine Familie hat verwandtschaftliche Beziehungen mit Mendelssohn und Karl Marx.

Er hat einen dichtgedrängten Konzertkalender mit Engagements bei zahlreichen internationalen Orchestern, z.B. dem London Symphony Orchestra, den Berliner Philharmonikern und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra. Dabei arbeitet er mit Dirigenten wie Vladimir Ashkenazy, Michael Tilson Thomas, Christoph Eschenbach und Roger Norrington zusammen. Auftritte mit dem Orchestre Revolutionnaire et Romantique, La Stagione Frankfurt oder Kammerkonzerte mit Melvyn Tan und Maggie Cole sind Beispiele für Steven Isserlis' Bemühen um die historische Aufführungspraxis.
 
Eine Anerkennung für seine musikalischen Verdienste war 1998 die Auszeichnung mit dem Titel eines „Commander of the Order of the British Empire“, eine der höchsten Auszeichnungen Großbritanniens. Er ist außerdem Ehrenmitglied der Royal Academy of Music und erhielt 1993 den Piatigorsky-Preis in den USA und den Preis der Royal Philharmonic Society.

Isserlis fühlt sich in besonderem Maße der Musikerziehung verpflichtet. Der Verlag Faber & Faber hat zwei Bücher von ihm veröffentlicht: „Warum Beethoven mit Gulasch um sich warf“ und „Warum Händel mit Hofklatsch hausierte“. Sie sollen Kinder und Jugendliche an die klassische Musik heranführen und sind in mehrere Sprachen übersetzt worden. 

Steven Isserlis spielt zurzeit hauptsächlich das als Marquis de Coberon bekannte Stradivari-Cello aus dem Jahr 1726, das zuvor von Zara Nelsova gespielt wurde. Außerdem hat ihm die Nippon Music Foundation im Mai 2011 erneut ein Feuermann-Stradivarius Violoncello von 1730 zur Verfügung gestellt.

Dénes Várjon

Steven Isserlis Klavierpartner ist der ungarische Pianist Dénes Várjon. 1991 war Várjon überragender erster und bisher jüngster Preisträger beim Concours Géza Anda in Zürich. Heute gilt er als einer der wichtigsten ungarischen Musikerpersönlichkeiten seiner Generation. Dénes Várjon ist ein großer Freund der Kammermusik. Steven Isserlis gehört zu seinen regelmäßigen Partnern.

Weitere Informationen: www.festspielhaus.de