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Sonntags-Matinee mit dem Arcanto Quartett
Gemeinsam ist man weniger allein
Aus Eitelkeit haben sich die Vier nicht zusammen getan. Die Mitglieder des Arcanto Quartetts sind allesamt renommierte Solisten und erfahrene Professoren. In dem 2002 gegründeten Ensemble aber bilden sie eine musikalische Einheit. Dabei verbindet die Geigerin Antje Weithaas, die Bratschistin Tabea Zimmermann, den Cellisten Jean-Guihen Queyras und den Geiger Daniel Sepec nicht nur eine musikalische Seelenverwandtschaft, sondern auch eine persönliche Freundschaft.
Die Programme, die sie gemeinsam austüfteln, sind so ausgefallen wie eindringlich. In der Sonntags-Matinee am 4. Dezember 2011 im Festspielhaus Baden-Baden ist u.a. der "Langsame Satz für Streichquartett" von Anton Webern zu hören - eine Schülerarbeit. Sie wurde erst spät entdeckt und 1962 uraufgeführt. Hier zeigt sich die große melodische Begabung des jungen Webern. Die fließenden, tonal geprägten Kantilenen dieses Komposition haben nicht viel gemeinsam mit der Radikalität der "Fünf Stücke für Steichquartett op. 5", die der Schönbergschüler etliche Jahre später schrieb.
Bei der Uraufführung 1904 führte Ravels Streichquartett protestierten Publikum und Presse so heftig, dass der Komponist ein Jahr später vom Wettbewerb um den begehrten Prix de Rome ausgeschlossen wurde. Die Reaktionen und die Entscheidung der Jury sind heute kaum noch nachvollziehbar. Denn das Quartett in F-Dur quillt über vor Phantasie- und Ideenreichtum. Ravel erzeugt eine ganze Palette ungewöhnlicher Klangfarben: Die Instrumente spielen mit Dämpfern, am Steg, am Griffbrett, Flageolett oder in extrem hohen Lagen.
Die "Lyrischen Suite" Alban Bergs ist eine Art musikalisches Tagebuch über eine außerhalb der gesellschaftlichen Konventionen stehende, unerfüllte Liebe. Berg thematisiert hier seine außereheliche Affäre mit der Schwester Franz Werfels, Hanna Fuchs-Robettin. Zu dem teils zwölftönig, teils freitonal komponierten Stück existiert ein von Berg selbst verfasstes, aber geheim gehaltenes Programm, das erst 1977 entschlüsseltes wurde.
Das Arcanto Quartett
Nach mehrjährigem gemeinsamem Kammermusikspiel in wechselnden Formationen haben vier sehr namhaften Solisten 2002 das Arcanto Quartett gegründet: Antje Weithaas ist u.a. Kammermusik-Partnerin von Lars Vogt, Christian Tetzlaff und Sharon Kam und hat seit 2004 eine Professur an der Hochschule "Hanns Eisler" in Berlin; Daniel Sepec ist seit 1993 Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und spielt häufig auch Barockvioline; Tabea Zimmermann ist ebenfalls Professorin an der Berliner Hochschule und spielt Kammermusik u.a. mit Pierre-Laurent Aimard oder dem Alban Berg Quartett; Jean-Guihen Queyras ist Professor an der Musikhochschule Stuttgart und musiziert z.B. mit Isabelle Faust oder Leif Ove Andsnes.
Ihr Debütkonzert fand höchst erfolgreich im Juni 2004 in Stuttgart statt. Es folgten Konzerte u.a. im Beethovenhaus Bonn, im Théâtre du Châtelet Paris, im Conservatoire Royal in Brüssel, bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, verschiedenen Festivals in ganz Europa. Höhepunkte der Saison 2006/2007 waren die Veröffentlichung der ersten CD mit den Streichquartetten Nr. 5 und 6 von Béla Bartók und die erste Tournee nach Japan und Israel. Für die Saison 2007/2008 wurde das Arcanto Quartett erneut für je zwei Konzerte von der Wigmore Hall und dem Concertgebouw sowie nach Paris und Madrid eingeladen; ferner erschien die zweite CD (Johannes Brahms: Streichquartett op. 51 Nr.1 und Klavierquintett op. 34 mit Silke Avenhaus).
FESTSPIELHAUS BADEN-BADEN
Sonntag, 4. Dezember 2011, 11 Uhr
Matinee mit dem Arcanto Quartett
Daniel Sepec Violine
Antje Weithaas Violine
Tabea Zimmermann Viola
Jean-Guihen Queyras Violoncello
Anton Webern
Langsamer Satz für Streichquartett
Maurice Ravel
Quartett F-Dur
Alban Berg
Lyrische Suite
Weitere Informationen: www.festspielhaus.de


