Festspielhaus Baden-Baden
Di., 1. November 2011

Festlicher Mozart


Die Herbstfestspiele enden mit Mozarts Großer Messe in c-Moll in hochkarätiger Besetzung  

BADEN-BADEN – An einem Feiertag wie Allerheiligen Mozart zu spielen, bietet sich an. Denn bei kaum einem Komponisten gehen Heiterkeit und Spiritualität eine so gelungene Symbiose ein. Am Dienstag, den 1. November stehen im Rahmen der Herbstfestspiele deshalb gleich drei Werke Wolfgang Amadeus Mozarts auf dem Programm. Und das mit einer Besetzung, die sich sehen lassen kann.

 Die lateinische Motette „Exsultate, jubilate“ für Sopran und Orchester ist vor allem wegen ihres Schlusssatzes berühmt: ein festliches „Alleluja“ mit virtuosen Koloraturpassagen. Mozart komponierte sie auf seiner letzten Italienreise im Januar 1773 in Mailand. Das Werk wurde durch den dortigen Kastraten Rauzzini uraufgeführt. Im Festspielhaus Baden-Baden wird dieser Part von der Sopranistin Marlis Petersen übernommen, die für ihre lupenreine, kristallklare Stimme bekannt ist.

 Inspirierend ist auch die Melodiefülle, die Mozart in seinem Violinkonzert in A-Dur ausbreitet. Solistin ist die norwegische Geigerin Vilde Frang. Die 25jährige ist gegenwärtig eines der stärksten Geigentalente aus Norwegen und hat bereits mit Musikern wie Gidon Kremer, Yuri Bashmet und Martha Argerich zusammen gearbeitet. Zu ihren Förderern gehört Anne-Sophie Mutter, mit der Vilde Frang Europa und die USA bereiste.

 Das „Et incarnatus est“ aus der Große Messe in c-Moll ist eine der strahlendsten und zärtlichsten Musik, die Mozart je geschrieben hat. Genau wie das Requiem blieb dieses gewaltige Werk unvollendet. Mozart komponierte vollständige Sätze zu Kyrie, Gloria, Sanctus und Benedictus. Weite Strecken des „Credo“ und das ganze „Agnus Dei“ fehlen. Für die Carnegie Hall New York und die Internationale Bachakademie Stuttgart hat der amerikanische Musikwissenschaftler Robert D. Levin eine überzeugende Neufassung im Stile Mozarts erarbeitet, die 2005 im Druck erschien. Sie wird in diesem Konzert zur Aufführung kommen. Die Besetzung ist handverlesen: Solisten sind die Sopranistinnen Simone Kermes und Marlis Petersen, der Tenor Klaus-Florian Vogt und der Bariton Konrad Jarnot. 

Die Sänger

Marlis Petersen studierte an der Musikhochschule Stuttgart bei Sylvia Geszty und ergänzte ihre Ausbildung in den Spezialgebieten Oper, Neue Musik und Tanz. Sie begann ihre Laufbahn als Ensemblemitglied der Städtischen Bühnen Nürnberg und hatte Gastauftritte an verschiedenen Häusern in ganz Deutschland. 1998 wurde sie an die Deutsche Oper am Rhein engagiert.

Marlis Petersen brillierte als Zerbinetta in der „Ariadne auf Naxos“ am Londoner Covent Garden. An der Metropolitan Opera New York und der Chicago Lyric Opera verkörperte sie die Adele in „Die Fledermaus“. Die Salzburger Festspiele verpflichteten sie für Mozarts „Il re pastore“ als Elisa und für „Le nozze di Figaro“ als Susanna. Im Konzertbereich arbeitet sie eng mit Helmuth Rilling und der Internationalen Bachakademie Stuttgart und mit René Jacobs zusammen.

Simone Kermes wurde in Leipzig geboren und studierte Gesang bei Helga Former an der Musikhochschule „Felix Mendelssohn Bartholdy“. 1996 wurde sie Preisträgerin beim internationalen Bach-Wettbewerb in Leipzig. Zu ihrem Rollenrepertoire gehören beispielsweise die Gilda in „Rigoletto“, Alcina in „Alcina“ oder die Rosalinde in „Die Fledermaus“.

Sie war Gast internationaler und nationaler Festivals wie den Schwetzinger Festspielen, den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik oder den Göttinger Händelfestspielen. Neben Rundfunk- und Fernsehproduktionen ergänzen zahlreiche CD-Einspielungen ihre künstlerische Tätigkeit.

Der Tenor Klaus-Florian Vogt studierte zunächst Horn und spielte im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. Daneben nahm er Gesangsunterricht an der Musikhochschule Lübeck. 1997 wurde er an das Landestheater Flensburg engagiert und wechselte ein Jahr später an die Dresdner Semperoper, wo er sein Repertoire Schritt für Schritt auf etwas dramatischere Rollen ausdehnte.

Ein Durchbruch war sein Rollendebüt als Lohengrin am Theater Erfurt im Jahr 2002. Seit 2003 ist Klaus Florian Vogt als freischaffender Künstler tätig. 2007 gab er sein Debüt als Stolzing in den „Meistersingern“ bei den Bayreuther Festspielen.

Der Bariton Konrad Jarnot studierte Gesang bei Dietrich Fischer-Dieskau und bei Rudolf Piernay an der Guildhall in London, wo er mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Nach seinem ersten Preis beim ARD-Musikwettbewerb 2000 in München wurde die Musikwelt auf den jungen Bariton aufmerksam. Es folgte Einladungen u.a. an Häuser wie das Royal Opera House Covent Garden London, das Concertgebouw Amsterdam oder das Gewandhaus Leipzig.

Jarnot sang Partien wie den Pelléas in Debussys „Pelléas et Mélisande“, den Amfortas in „Parsifal“ oder den Guglielmo in „Così fan tutte“. Als Liedersänger arbeitet er u.a. mit den Pianisten Helmut Deutsch, Hartmut Höll und Irwin Gage zusammen.

Münchener Bach-Chor und Bach-Orchester

Der Münchener Bach-Chor wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ursprünglich als Heinrich-Schütz-Kreis gegründet. In den 50er Jahren wurde er umbenannt in Münchener Bach-Chor. Schwerpunkte der Chorarbeit sind die Aufführung von Kantaten, Oratorien, Passionen und A-cappella-Musik. Dem Namen des Chors entsprechend sind Werke von Johann Sebastian Bach im Repertoire stark vertreten. Das aus etwa 80 Mitgliedern bestehende Ensemble beschränkt sich aber nicht auf die Musik Bachs, sondern führt auch Werke anderer Komponisten aus Barock, Klassik, Romantik und Moderne auf.

Der Chor arbeitet hauptsächlich mit dem 1953 von Karl Richter gegründeten Münchener Bach-Orchester zusammen, das sich aus Mitgliedern von Münchener Orchestern und aus Professoren der Hochschule für Musik zusammensetzt. Anfang 2005 wählte der Chor den jungen Dirigenten und Organisten Hansjörg Albrecht zum künstlerischen Leiter. Das Münchener Bach-Orchester sieht seinen Schwerpunkt in der historisch informierten Spielart und will vor allem die große Münchener Bach-Tradition in kreativer Weise neu beleben.

FESTSPIELHAUS BADEN-BADEN

Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2011, 18 Uhr

Wolfgang Amadeus Mozart:

„Exsultate, jubilate“ F-Dur KV 165,

Motette für Sopran und Orchester

5. Violinkonzert A-Dur KV 219

Große Messe in c-Moll KV 427

Dirigent: Hansjörg Albrecht

Violine: Vilde Frang

Sopran: Marlis Petersen („Exsultate, jubilate“)

Sopran: Simone Kermes

Tenor: Klaus-Florian Vogt

Bariton: Konrad Jarnot

Münchener Bach-Chor

Münchener Bach-Orchester

Weitere Informationen: www.festspielhaus.de