Festspielhaus Baden-Baden
Fr., 16. Dezember 2011

Die Thomaner singen „ihr“ Weihnachtsoratorium

Gewandhausorchester & Thomanerchor 

BADEN-BADEN - Vor etwa 300 Jahren wurden die Thomaner noch von Johann Sebastian Bach selbst unterrichtet. Einige der ganz großen Meisterwerke des Komponisten durfte der Knabenchor in dieser Zeit aus der Taufe heben: unter anderem das Weihnachtsoratorium BWV 248, heute eines der beliebtesten Werke Bachs. Am Freitag, den 16. Dezember wird der Thomanerchor Leipzig das Weihnachtsoratorium im Festspielhaus Baden-Baden aufführen, begleitet vom Leipziger Gewandhausorchester. 

Der Thomanerchor besteht aus etwa 100 Jungen im Alter von 9 bis 18 Jahren, die gemeinsam im Internat leben und neben der Schule musikalisch ausgebildet werden. So ähnlich war es auch zu Zeiten Bachs. Damals war das Ensemble etwas halb so groß. Aber nur ein relativ kleiner, ausgesuchter Elitechor durfte Weihnachten 1734/35 das Weihnachtsoratorium aufführen. Bachs komplexe Partitur stellte an die Thomasschüler immense technische Anforderungen, denen damals nicht alle im Chor singenden Knaben gewachsen waren.

 Es wurde übrigens nicht das gesamte Oratorium am Stück aufgeführt, sondern die einzelnen Teile wurden auf sechs Gottesdienste verteilt. Diese Tradition verpflichtet. Heute gehört das Weihnachtsoratorium zum Grundrepertoire des Thomanerchores Leipzig. 

Der Thomanerchor Leipzig 

Die Geschichte des Thomanerchores umspannt nunmehr fast 800 Jahre. Die Thomaner leben gemeinsam im Alumnat und lernen in der Thomasschule zu Leipzig. Die Hauptwirkungsstätte des Chores ist die Leipziger Thomaskirche. Im Jahre 1212 bestätigte Otto IV. auf dem Reichstag zu Frankfurt die Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes zu St. Thomas. 

Zum Stift gehörte eine Klosterschule, die geistlichen Nachwuchs heranbilden sollte, bald aber auch Knaben zugänglich wurde, die nicht im Stift wohnten. Bestandteil der Ausbildung war von Anfang an der liturgische Gesang. Die Reihe der berühmten Thomaskantoren eröffnete Georg Rhau, in dessen zweijährige Amtszeit das berühmte Streitgespräch zwischen Martin Luther und Johann Eck fiel. 

Die Reihe der bedeutsamen Kantoren setzt sich u.a. über Gottlob Harrer, Johann Adam Hiller, Moritz Hiller bis zu Georg Christoph Biller, der seit 1992 als 16. Thomaskantor nach Bach den Chor leitet. Im 20. Jahrhundert begann eine rege Konzerttätigkeit des Thomanerchores im In- und Ausland. Im März 2009 gastierte der Chor äußerst erfolgreich und erstmals in seiner Geschichte in Singapur und Australien. 

Längst hatte der Chor einen herausragenden Platz im Musikleben der Stadt. Die Motetten- und Kantatenaufführungen freitags und samstags in der Thomaskirche sind als kirchenmusikalische Ereignisse zu einer festen Institution geworden.

 Unter Karl Straube erhielten die regelmäßigen Aufführungen der Passionen, des "Weihnachtsoratoriums" und der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach jenen Glanz, der sich bis heute erhalten hat. 

Das Leipziger Gewandhausorchester 

Das Leipziger Gewandhausorchester ist das älteste bürgerliche Konzertorchester der Welt. Keimzelle des Orchesters war 1743 eine von Kaufleuten gegründete Konzertgesellschaft. Mit dem Umzug in das Messehaus der Tuchwarenhändler im Jahre 1781 erhielt das Ensemble den Namen "Gewandhausorchester". 

Wenige andere Klangkörper waren an der Entwicklung der sinfonischen Musiktradition so beteiligt wie das Gewandhausorchester. Es spielte beispielsweise noch zu Lebzeiten des Komponisten sämtliche Beethoven-Sinfonien, der weltweit erste Bruckner-Zyklus ist dem Orchester zu verdanken. 1884 bezog man das durch den Verkauf von Stiftungsanteilen errichtete neue Konzerthaus, das 1944 von Luftangriffen zerstört wurde. 1981 wurde das neue Gewandhaus am Augustusplatz eingeweiht. 

Das Gewandhausorchester zeichnet sich durch ein selten breites Repertoire-Spektrum und eine ungewöhnlich hohe Aufführungsdichte aus: als Konzertorchester, Opernorchester der Leipziger Oper und Kammerorchester, das gemeinsam mit den weltberühmten Thomanern die Kantaten in der Thomaskirche gestaltet. Mit weit über 200 Aufführungen in diesen drei Spielstätten und auf Tournee ist das Gewandhausorchester das musikalische Zentrum der Stadt Leipzig und ihr wichtigster musikalischer Botschafter. 

Einige der bedeutendsten Gewandhauskapellmeister waren Felix Mendelssohn Bartholdy, Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler und Bruno Walter. Kurt Masur, Gewandhauskapellmeister von 1970 bis 1996, und Herbert Blomstedt, Gewandhauskapellmeister von 1998-2005, sind die Ehrendirigenten des Orchesters. Mit Beginn der Spielzeit 2005/06 übernahm Riccardo Chailly das Amt des Gewandhauskapellmeisters. 

Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit renommierten Festivals wie den Salzburger Festspielen, dem Lucerne Festival, dem Edinburgh Festival und den "BBC Proms" in London. 

FESTSPIELHAUS BADEN-BADEN 
Freitag, 16. Dezember 2011, 19 Uhr 

Johann Sebastian Bach

 "Weihnachtsoratorium" 


Ein Thomaner Sopran 

Sophie Harmsen Alt 

Maximilian Schmitt Tenor 

Panajotis Iconomou Bass

Georg-Christoph Biller Dirigent und Thomaskantor 

Thomanerchor Leipzig 

Gewandhausorchester 

Weitere Informationen: www.festspielhaus.de