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Zwielichtig
Viele Wege führen zur Romantik – und manche schleichen sich aus der Romantik auch klammheimlich davon. Nachzuhören ist das alles in einem wahren Feinschmeckerprogramm, vorgestellt vom großen Klangmagier am Klavier: dem Russen Grigory Sokolov.

Wege zur Romantik? Da wäre vor allem die Klaviermusik des französischen Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau zu nennen. Dieser wird seit einiger Zeit verstärkt von Pianisten wiederentdeckt, die in seinen kleinen Stücken wahre Perlen entdecken: Selbst Fachleute kämen beim Hören nicht immer auf Barock, so sehr ähneln die Piecen romantischen Charakterstücken.
Daneben spielt Grigory Sokolov die berühmte a-Moll-Sonate Mozarts, ein wahres Sturm und Drang-Stück, das ebenfalls die Empfindungen des romantischen Zeitalters vorwegnimmt. Demgegenüber steht dann der eigentliche Romantiker Johannes Brahms, der mit seinen Händelvariationen alles dafür tut, um möglich klassisch zu wirken. Nach einer leidenschaftlichen Periode, die von unglücklichen Gefühlen für Clara Schumann getragen wurde, setzt sich Brahms eine Händelperücke auf und schreibt eine Musik, die eher barock pausbäckig als romantisch blass daherkommt (dieses „pausbackige“ ist übrigens extrem schwer zu spielen). Musik für echte Männer sozusagen – der späte Brahms, der der versponnenen Intermezzi Op. 117, erlaubt sich wieder zwielichtigere Gefühle…
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