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Erwischt!
Festspielhaus-Sommerseminar
Originalität ist Mangel an Literaturkenntnissen, meinte ein Professor mal, als er wieder die Copytaste drückte. Wir nehmen ihn beim Wort und fragen nach: Wer hat was bei wem abgeschaut? Im diesjährigen Festspielhaus-Sommerseminar geht es um Einflüsse von Komponisten auf Komponisten, denn von Diebstählen wollen wir nicht sprechen. Oder doch?

In einem hat der Professor tatsächlich Recht: Von Laien wird Originalität gern überschätzt. Man denkt sich den Komponiervorgang wie eine Standleitung zum Himmel, wo die Inspiration wohnt und offensichtlich viel herumtelefoniert. Am anderen Ende hört der Komponist und schreibt mit. Oft jedoch schreibt er bloß ab, von anderen Komponisten nämlich, was kein wirklicher Diebstahl ist, sondern notwendige Kulturtechnik: Wir lernen doch sprechen durch Nachahmung, warum denn nicht auch komponieren? (argumentieren die Erwischten). Das also wird das Thema der nächsten Wochen sein, ein Thema, das von nun an jeden Sommermontag anhand vieler Musikbeispiele erläutert wird.
Heute nun, etwas Kleines zum sich Verbeißen. Wir könnten auch sagen: Finden Sie den Unterschied. Die Lösung – wer was von wem und warum eigentlich – erhalten Sie nächsten Montag auf dieser Webside. Viel Spaß beim Hören und Raten!
Es handelt sich um zwei weltberühmte Sinfonien. Wir wählten erst einmal zwei Beispiele aus dem ersten Werk aus, sozusagen aus dem Original:
Der nächste Komponist war so dreist, beide Ideen gleichzeitig zu kopieren:
Während die Streicher und Bläser sich in Chören gegenüberstehen, spielen die Blechbläser im Hintergrund das charakteristische Rhythmus-Motiv. Tja. Das verdient kommentiert zu werden. Na dann, bis nächste Woche!



