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Aus dem Urknall gezaubert
Es beginnt bei Zähnen, die im Schädelknochen eines Esels klappern, und endet noch längst nicht bei Lotusflöten und Handsirenen. Die Schlaginstrumente sind musikalisch eine Welt unbegrenzter Möglichkeiten. Martin Grubinger bringt am 26. Mai im Festspielhaus mit John Coriglianos Schlagzeugkonzert „Conjurer“ schöpferische Ordnung ins Chaos.
Unbegrenzte Möglichkeiten: damit dürfte der 1938 in New York City geborene Komponist John Corigliano zwar seine Erfahrungen haben. Trotzdem hat er nur ein Gefühl verspürt, als er den Auftrag bekam, ein Konzert für Schlagzeug zu schreiben: „Schrecken - so sehr ich es liebe, Schlaginstrumente in meinen Werken für Orchester zu besetzen.“ Denn die meisten dieser Konzerte klängen doch nur wie „Orchesterstücke mit besonders viel Schlagzeug“. Unter den Klang- und Materialmassen des schier unerschöpflichen Instrumentariums, erklärt Corigliano, leide die Aura des Solisten.
Den Urknall zur Schöpfung seines Werks erlebte der Komponist dann doch noch, und zwar nicht als Antwort, sondern als richtige Frage: Wie schreibe ich ein Konzert, in dem der Schlagzeuger selbst bei geschlossenen Augen durchgängig als Solist zu erkennen ist? Und wie schreibe ich eines mit echten Melodien, die nicht etwa im Orchester, sondern vom Schlagzeug selbst vorgestellt werden?
Entstanden ist so ein Werk, das in drei Sätzen drei große „Materialgruppen“ in den Vordergrund rückt: zunächst die Holz-, dann die Metall- und schließlich die Fellinstrumente. Als das Stück fertig geschrieben war, hatte Corigliano auch gleich die richtige Titelidee: „Conjurer“ – Zauberer. Denn gleichsam magisch wird Solist Martin Grubinger die Musik aus dem „Rohmaterial“ hervorlocken.




