Festspielhaus Baden-Baden

Von Zerbinetta zum Zar

Die Opernsaison 2011-2012 im Festspielhaus Baden-Baden gleicht einer musikalischen Reise von Wien ins russische Zarenreich. Zwischenstopp: Eine italienische Dorfhochzeit. Bücher könnte man über alle drei Opern Ariadne auf NaxosL'elisir d'amore, und  Boris Godunow schreiben, doch wir beschränken uns auf das Wichtigste im Überblick.

"L'elisir d'amore", Premiere am 28.05.2012, weitere Vorstellungen am 31. Mai und 3. Juni 2012

 

Ildebrando D’Arcangelo (Dulcamara) © Uwe Arens
Miah Persson (Adina) © Mats Baecker
Rolando Villázon (Nemorino) © DG

Die Handlung

1.    Akt
Bauer Nemorino ist schwer in Adina verliebt aber zu schüchtern, um sie für sich zu gewinnen. Als eines Tages  ein Trupp Soldaten unter dem Kommando des selbstsicheren Belcore ins Dorf kommt, fängt Adina Feuer für den schneidigen Searganten. Nemorino ist verzweifelt und lauscht daher umso inniger dem Quacksalber Dulcamara, der von Tristan und Isoldes Liebestrank berichtet, den er gleich flaschenweise im Angebot habe. Nemorino kauft ihm eine Flasche ab und hält sich an die Gebrauchsanweisung: die Wirkung soll nämlich 24 Stunden nach Einnahme einsetzen. Siegesgewiss lässt er Adina für den Moment links liegen.  So gekränkt, beschließt Adina die Hochzeit mit Belcore.


2.    Akt

Die Feierlichkeiten zur Blitz-Hochzeit zwischen Adina und Belcore haben begonnen. Nemorino wendet sich wieder an Dulcamara, denn die erste Dosis „Liebestrank“ hat nicht gewirkt. Dummerweise hat Nemorino aber nicht genug Geld für eine zweite Flasche des Spezialgetränks. So lässt er sich für Belcores Truppe werben und hofft,  den Sold für eine neue Flasche „Liebestrank“ anlegen zu können. Zur gleichen Zeit macht eine andere Nachricht die Runde: Nemorinos Onkel ist gestorben und hinterlässt seinem Neffen ein hübsches Sümmchen. Schnell interessieren sich fast alle Frauen des Dorfes für den schüchternen Bauer, und auch Adina muss sich eingestehen, dass sie eigentlich Nemorino liebt. Trickreich löst sie seinen Vertrag mit Belcore und gesteht ihm ihre Liebe und zukünftige Treue. Das alles wirkt wie eine Frischzellenkur auf die Geschäfte Dulcamaras. Nun von der Wirkung seines „L’elisier d’amore“ überzeugt, kaufen ihm die Leute die Bestände leer.

Die Entstehung

Gaetano Donizettis bislang größter Erfolg „L’elisir d’amore“ entstand musikalisch unter großem Zeitdruck und wurde am 12. Mai 1832 in Mailand (Teatro della Canobiana) uraufgeführt. Zwar ist die Handlung ziemlich offensichtlich von Daniel Francois Esprit Auberts Oper „Le Philtre“ (1831/Paris) abgekupfert, doch Komponist Donizetti und Librettist Felice Romani fanden eine ganz eigene Sprache und vor allem anrührende und sehr italienische musikalische Zugänge zum komischen Sujet, das seine Protagonisten – immerhin ein Paar einfältiger Bauern, damit nie verrät. Diese „buffa“ baut auch nicht unbedingt auf den Erfolgen Rossinis auf, sondern schlägt den Bogen von den Meistern des ausgehenden 18. Jahrhunderts in die frühe Mitte des 19. Jahrhunderts – Experten sprechen von einer „liebevollen Verklärung“ der musikalischen Komödie Italiens gegen Ende des 18. Jahrhunderts – ganz nahe an der literarischen Welt eines Carlo Goldoni.

„L’elisir d’amore“ wurde zu einem der größten Erfolge Donizettis (neben „Lucia di Lammermoor“, „Anna Bolena“ oder „La Fille du régiment“). Allein in der Entstehungs-Spielzeit musste die Produktion 32 mal gezeigt werden, schnell verbreitete sich das Stück über die Bühnen des Kontinents. Arturo Toscanini studierte die Oper 1901 an der New Yorker Metropolitan Opera neu ein , wo drei Jahre später der junge Enrico Caruso sein sensationelles Rollendebüt als Nemorino gab.

 

Das Team

Rolando Villazón in Baden-Baden vorzustellen, hieße Tenöre nach Italien zu tragen. Der in Paris lebende Mexikaner ist dem Publikum im Festspielhaus durch zahlreiche Auftritte bekannt. Erstmals allerdings singt er nun in einer szenischen Opernproduktion, die er auch gleich noch selbst inszeniert. Die Rolle des Nemorino begleitet Rolando Villazón durch die vergangen Jahre – an verschiedenen großen Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der New Yorker MET oder der Oper in Zürich sang er bereits diese Paraderolle seines Fachs.
Sein Regiedebüt gab der vielfach begabte Künstler 2011 sehr erfolgreich in Lyon mit Jules Massenets „Werther“.


Der junge Dirigent Pablo Heras-Casado machte sich in den vergangenen Jahren durch Aufnahmen seltener Opern mit seinem Ensemble für Originalinstrumente in Aranjuez einen Namen. Derzeit häufen sich bei ihm die internationalen Anfragen – so wird er beim Mozartfest in New York ebenso dirigieren wie bei der Canadian Opera Company. Noch 2011 debütiert der Dirigent bei den Berliner Philharmonikern.


Die schwedische Sopranistin Miah Persson (Adina) ist eine weltweit gefragte Künstlerin. Regelmäßig ist sie unter anderem bei den Salzburger Festspielen, an der New Yorker Metropolitan Opera oder im Königlichen Opernhaus Covent Garden zu London gern gesehener Gast.


Ildebrando D’Arcangelo
(Dulcamara) begeisterte das Baden-Badener Festspielhaus-Publikum soeben als Don Giovanni in Mozarts gleichnamiger Oper. Die „Baden-Baden-Gala 2011“ wird 2012 als CD bei der Deutschen Grammophon erscheinen.


Die Balthasar-Neumann-Ensembles waren schon vielfach im Festspielhaus Baden-Baden zu Gast. Zuletzt gestalteten die Musikerinnen und Musiker Mozarts „Cosí fan tutte“, saßen aber auch bei der „Carmen“ und beim „Falstaff“ im Orchestergraben – ebenso bei den Opernproduktionen „Il barbiere di Siviglia“ und  „Rigoletto“. Von Thomas Hengelbrock gegründet spielen und singen die Künstler auch regelmäßig unter der Leitung anderer Dirigenten.


Bühnenbildner Johannes Leiacker ist Professor für Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und entwirft weltweit Bühnenbilder und Ausstattungen für renommierte Schauspiel- und Opernhäuser. 1984 erhielt er den Kunstförderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und 1996 wurde er vom Opernwelt-Magazin zum Bühnenbildner des Jahres gewählt. Diese Auszeichnung erhielt er erneut 2008 für sein berühmtes Bregenzer „Tosca“-Auge. In Baden-Baden gestaltete er zuletzt das Bühnenbild zur Oper „Cosí fan tutte“ mit großem Erfolg.