Festspielhaus Baden-Baden

Keine Hummeln für Hilary

Wenn es besonders schön war, soll man nicht aufhören, sondern eine Zugabe spielen. Weil Hilary Hahn zu diesem Zweck nicht immer nur tanzende Ungarn (Brahms) und fliegende Hummeln (Rimsky-Korsakow) hervorzaubern  möchte, hat sie ihr „Encores“-Projekt angeschoben. Am 26. April stellt sie es im Festspielhaus vor.

Bach, Beethoven, Brahms und Bravourstücke

Brahms’ „Ungarischer Tanz“ Nr. 5, Massenets „Méditation“ aus „Thaïs“, Paganinis „Molto perpetuo“, Fritz Kreislers „Liebesleid“, Albeniz’ „Malaguena“, Rimsky-Korsakows „Hummelflug“, Schuberts „Ave Maria“, Rachmaninows „Vocalise“… Konzertgänger werden sie kennen, die traditionellen Zugabestücke, die am Ende regulärer Programme immer wieder im Konzertsaal erklingen. Hilary Hahn war das nicht genug. Auch, weil sie schon lange erkannt hat, was für ein Potenzial in der kleinen Form eines Zugabestücks steckt. Aus diesem Grund hat sie ein ebenso ungewöhnliches wie pfiffiges Projekt angeschoben, dessen Vorbereitung sich über viele Jahre hinzog: „In 27 Pieces: The Hilary Hahn Encores“. Hierbei betraute die amerikanische Geigerin über zwei Dutzend Komponisten, kurze Stücke für Violine und Klavier zu schrieben. „Mein ursprüngliches Ziel war es“, sagt Hilary Hahn, „das Genre der Zugabestücke um Werke ganz unterschiedlicher Stile zu erweitern. Da ich die in Auftrag gegebenen Stücke selbst aufführen wollte, war es sehr wichtig, dass mich der musikalische Tonfall der jeweiligen Komponisten in irgendeiner Weise ansprach. Daher hörte ich sehr viel zeitgenössische Musik, stundenlang, oft bis spät in die Nacht. Ich fand es wirklich toll, Musik kennen zu lernen, die ich noch nie gehört hatte. Dann machte ich viele nervenaufreibende „cold-calls“, nicht angekündigte Anrufe, um die von mir ausgewählten Komponisten dazu zu bewegen, sich an meinem Projekt zu beteiligen. Ich wusste nicht, wie sie reagieren würden, aber zu meiner großen Überraschung haben viele zugesagt, so dass das Projekt eine aufregende Dynamik bekommen hat.“

Neben der Auswahl an Zugabestücken hat Hilary Hahn beim Festspielhauskonzert am 26. April mit Bach, Beethoven und Brahms Werke dreier musikhistorischer Schwergewichte im Gepäck. Trotzdem sind ihr die „kleinen“ Stücke so wichtig, dass sie selbst zu jedem davon einige einführende Sätze aufgeschrieben hat: Wie sie ihre Auswahl für das Konzerts im Festspielhaus  kommentiert, lesen Sie am Konzertabend im Abendprogramm.