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Von Zerbinetta zum Zar
Die Opernsaison 2011-2012 im Festspielhaus Baden-Baden gleicht einer musikalischen Reise von Wien ins russische Zarenreich. Zwischenstopp: Eine italienische Dorfhochzeit. Bücher könnte man über alle drei Opern Ariadne auf Naxos, L'Elisir d'Amore, und Boris Godunow schreiben, doch wir beschränken uns auf das Wichtigste im Überblick.
Die Handlung
Die Oper beginnt realistisch: Das Volk wird zum Jubeln geprügelt. Eigentlich will es leben. lieben, singen und saufen, aber nein: Mit Peitschenhieben zwingt man es, den neuen Zaren zu feiern (und wir alle sehen vor uns die Jubelchöre der sowjetischen Mai-Paraden…). All das, um den noch zögernden Boris umzustimmen: Einst ließ er den jungen Zarenerben Dmitri ermorden, nun quälen ihn Gewissensbisse. Doch reißt er sich zusammen und bringt zu Ende, was er angefangen hat: Boris nimmt die Zarenkrone an.
In einer Zelle lebt der junge Mönch Dmitri. Er sieht seine Talente ungenutzt und verliert sich in Machtträumen. Als er die Geschichte des ermordeten Dmitri hört, beschließt er, dessen Rolle anzunehmen und entflieht dem Kloster.
So verläuft die Handlung des „Boris“ in zwei Strängen: Auf der einen Seite sehen wir Boris Godunow im Kreis seiner Kinder, und Politik machend. Von Schuldgefühlen getrieben droht er dem Wahnsinn zu verfallen – besonders seit (zweiter Strang) es da diesen falschen Dmitri gibt, einen ehemaligen Mönch, der behauptet, der eigentliche Thronfolger zu sein. Dmitri zieht große Teile des Volkes auf seine Seite, auch paktiert er mit den Polen. Innere Kriege zerstören das Reich, Boris stirbt, das letzte Wort der Oper gehört einem Narren: „Wehe dir, du armes Volk!“
Die Entstehung
„Boris Godunow“, diese neben „Tristan“ kühnste Oper des 19ten Jahrhunderts, wurde von einem Säufer, Genie und Dilettanten geschrieben: Modest Mussorgsky hat nie eine Musikhochschule besucht. Er sträubte sich gegen die aus dem Westen überlieferten kompositorischen Techniken, die doch nur seine Originalität verfälschen und verdünnen würden. Die erste "Boris"-Fassung wurde 1870 vollendet; sie wird im Festspielhaus Baden-Baden gezeigt. Diese Fassung (eine zweite, um Liebesszenen erweiterte, folgte zwei Jahre später) war den Zeitgenossen zu rau und ungewohnt. So wurde bis weit ins zwanzigste Jahrhundert hinein eine geglättete Version von Nikolaj Rimsky-Korsakov gespielt.
Das Team
Valery Gergiev dirigiert das Team des Mariinsky-Theaters – in diesem Theater fand übrigens die Uraufführung des Boris statt. Die Namen der Solisten werden noch bekannt gegeben. Die Neuinszenierung der Oper übernimmt Graham Vick. Vick gilt als der wichtigste Opernregisseur Großbritanniens. Nachdem er mit 24 Jahren seinen ersten Achtungserfolg erzielte, gründete Vick eine kleine Truppe, mit der er durch Schottland fuhr. 1984 wurde er künstlerischer Leiter der Scottish Opera. 1987 gründete er dann die "City of Birmingham Touring Opera" (CBTO), eine Opernkompanie, die bei ihren britischen Tourneen Opernproduktionen in kleine Städte und Gemeinden brachte. Heute arbeitet der Regisseur auf allen großen Bühnen der Welt.






