Festspielhaus Baden-Baden

Ariadnes Anhang

Die Legende geht weiter: Nach dem „Rosenkavalier“, „Elektra“ und „Salome“ widmet sich das Festspielhaus der Richard Strauss-Oper „Ariadne auf Naxos“. Wir stellen die Protagonisten der Handlung vor und präsentieren die Sängerinnen und Sänger hinter den Masken der tragischen Komödie. Oder ist es eine komische Tragödie? Urteilen Sie selbst: Ab dem 18. Februar 2012 im Festspielhaus Baden-Baden.

René Kollo über seine Rolle "Der Haushofmeister"

René Kollo ist nicht nur ein „Theatergewächs“, sondern auch ein echter Sportsmann: Nein, die Rolle des Bacchus in „Ariadne auf Naxos“ neidet er Robert Dean Smith nicht. Obwohl er die Partie selbst zigmal gesungen hat. Aber irgendwann sei man einfach „glücklich, dass man das nicht mehr machen muss“ – der Bacchus gilt als eine der schwierigsten Tenorpartien überhaupt. In der Festspielhaus-„Ariadne“ gibt René Kollo den Haushofmeister – und füllt die Bühne spielend aus, ohne auch nur einen Ton zu singen. Der Haushofmeister ist eine Sprechrolle. Oder eher eine Befehlsrolle: wenn er die Stimme erhebt, horcht alles auf, denn er ist das Sprachrohr des „gnädigen Herrn“, der in „Ariadne auf Naxos“ über allem schwebt, ohne jemals auf der Bühne sichtbar zu werden. Alle musizieren, nur einer spricht: das kann durchaus heikel sein, für den Sprecher wie für das Publikum.  Wie schön es  ist, einen Sänger vom Format René Kollos für diese Rolle zu haben, ist gleich bei den ersten Proben klar geworden: wenn René Kollo spricht, atmet die Oper einfach weiter, durch seine Stimme hindurch. Wahrscheinlich kann er gar nicht unmusikalisch den Mund aufmachen.

Zur Rolle: Der Haushofmeister

Richard Strauss und Librettist Hugo von Hofmannsthal haben lange um die richtige Form der „Ariadne“ gerungen. Dass sie die Rolle des Haushofmeisters erdacht haben, zählt zu ihren Geniestreichen. Durch den Haushofmeister spricht die Macht, die bestellt, die Macht, die bezahlt und die Macht, die der Kunst die Zeit zumisst – zwischen „Kollation“ und Feuerwerk.
Wäre die Macht selbst auf der Bühne zu sehen, dann wäre sie Teil des Spiels – und damit den Spielregeln unterworfen, genauso wie dem Applaus oder Missfallen des Publikums. Sie wäre dann nicht mehr mächtig. Also vertritt sie der Haushofmeister: er ist ihr Sprachrohr. Ein „Singrohr“ gibt es nicht, und wäre das anders, dann müsste es schon eine phantastische Macht sein, die so etwas benutzt. Der Haushofmeister spricht also. Er selbst nennt die Macht seinen „gnädigen Herrn“. Glauben wir´s ihm. Aber spricht  durch ihn wirklich nur der „gnädige Herr“ – oder spielt er sich auch selbst ein bisschen dazu auf? Das wissen wir nicht. Und da hat dann wieder die Komödie einen Fuß in der Tür…

Zur Person: René Kollo

René Kollo ist ein Phänomen. Vergleichbare Sängerkarrieren fallen einem nur sehr schwer ein. Er ist einer der größten Wagnerinterpreten  der letzten Jahrzehnte, begann seine Karriere – eher zufällig und nebenbei, wie er sagt – mit einem Hit in den deutschen Charts (das war 1961), ging dann als lyrischer Tenor ans Theater, wurde als Heldentenor in Bayreuth, in Wien, an der Met gefeiert, blieb ein ebenso gewandter wie charmanter Operettensänger und erarbeitete sich stetig neue  Rollen: den Aegisth in der „Elektra“ bei den Winterfestspielen 2010 im Festspielhaus sang er hier zum ersten Mal.

Jahrelang hatte er seine eigene Musikshow im Fernsehen. Wie kann einer so viel schaffen? Kaum zu erklären - aber zumindest hatte René Kollo die richtigen Vorbilder: sein Vater und sein Großvater waren Operetten- und Revuekomponisten, die wussten, was gut ist und wie man ein Publikum findet. Ihnen und ihrer Musik hat René Kollo einen Konzertabend gewidmet, in dem er -  singend! - neben der „Ariadne“ bei den diesjährigen Winterfestspielen am Sonntag, den 19. Februar im Festspielhaus zu erleben ist: „René Kollo: Mein Berlin - Eine Hommage an Walter und Willi Kollo.“  

 

Eike Wilm Schulte über seine Rolle als Musiklehrer

Die „Ariadne“ zählt er zu den „kulinarischen“ Opern von Richard Strauss. Eike Wilm Schulte muss es wissen, denn der welterfahrene Bariton hat schon von vielen Theatertischen gegessen zwischen Wiesbaden, Bayreuther Festspielen  und New Yorker Met. Um die raffinierten Späße des „Vorspiel“ überschriebenen ersten Teils der Oper über profilneurotische Primadonnen, frisurbewusste Tenöre und kindsköpfige Komponisten genießen zu können, brauche es einen recht feinen musikalischen Gaumen. Trotzdem, erklärt Schulte, bleibe „die Musik primär“: so genial Hofmannsthals Libretto auch sei, die Musik von Richard Strauss garantiere, dass sich die  „Ariadne“ auch einem nicht-deutschsprachigen Publikum erschließe.

Diese Erfahrung  - „Die Amerikaner lieben ,Ariadne´“- hat Eike Wilm Schulte zuletzt in Chicago machen können , wo er den Musiklehrer  gerade erst wieder gesungen hat. In ihren Nöten zwischen der Eitelkeit der Sänger, dem Idealismus des Komponisten und den Ansprüchen eines banausischen Mäzens ist die Rolle des Musiklehrers vielleicht ohnehin die menschlichste - und damit verständlichste - auf der ganzen Szene. Doch wenn es darum geht, der gekränkten Primadonna zu schmeicheln, lässt Strauss den Musiklehrer durchaus zum „Heldenbariton“ auflaufen: „Sie sind Ariadne, morgen wird überhaupt niemand mehr wissen, dass es außer Ariadne überhaupt etwas gegeben hat“ – damit das überzeugend rüberkommt, so Eike Wilm Schulte, müsse der nüchterne Musiklehrer auch mal heldisch-laut werden.

Zur Rolle: Ein Musiklehrer

Seine Rollenbezeichnung führt leicht in die Irre. Zwar ist der Musiklehrer, wie sich im „Vorspiel“ herausstellt, tatsächlich Lehrer der Primadonna, die Ariadne singen soll, und der Komponist ist sein Schüler. Trotzdem kommt ihm eher die Funktion eines Impresarios zu: bei ihm hat der Mäzen über sein Sprachrohr, den Haushofmeister,  eine Opernaufführung bestellt, er muss liefern und den Laden  zusammenhalten.  Apropos „den Laden zusammenhalten“:  Wie eine Klammer umfasst der Musiklehrer das „Vorspiel“: Das erste Wort (ein Appell an den Haushofmeister) und die letzte Geste (ein resignierendes Kopfschütteln an den Komponisten) sind ihm vorbehalten. Damit sind die Pole abgesteckt, zwischen denen der Musiklehrer agiert. Er muss zwei Welten zusammenführen: in der einen ist Musik nichts mehr als bestellte Ware, in der anderen heilige Kunst. Gelingt ihm das nicht, geht das Publikum leer aus. Oder, Neudeutsch gesagt: Der Vorhang hebt sich nur, wenn der Musiklehrer einen guten Job macht…

Zur Person: Eike Wilm Schulte

Um seine Karriere darf man Eike Wilm Schulte beneiden: nach dem Studium in Köln schaffte sich der Bariton an gestandenen Häusern wie Der Deutschen Oper am Rhein, dem  Theater Bielefeld und dem Staatstheater Wiesbaden gut hundert Partien drauf – um damit dann als Gast in Mailand, der New Yorker Met und bei den Bayreuther Festspielen zu reüssieren.  „Ich habe gesungen und wurde wieder geholt“ – so einfach kann das sein! Gern erinnert sich Eike Wilm Schulte an prägende Erfahrungen seiner ersten Jahre im Engagement: so sang er in Bielefeld als Partner Martha Mödls Gottfried von Einems Oper „Der Besuch der alten Dame“. Für Nostalgie hat der vielbeschäftigte Sänger allerdings keine Zeit. Gerade erst ist er aus den USA zurückgekehrt, wo er als Musiklehrer an der Lyric Opera of Chicago gastierte. Im Festspielhaus Baden-Baden gibt Eike Wilm Schulte in „Ariadne auf Naxos“ seinen Einstand – und freut sich besonders auf die Zusammenarbeit mit Christian Thielemann und der Staatskapelle Dresden.

 

Renée Fleming über „Ariadne auf Naxos“

„Richard Strauss – mein Komponist für die einsame Insel…“  Diesen Wunsch der amerikanischen Sopranistin Renée Fleming erfüllen wir gern: Als Titelheldin in  „Ariadne auf Naxos“ bekommt sie Strauss, die Insel, todesschwere Einsamkeit - und den Dirigenten Christian Thielemann.  Er lenkt den Bühnenzauber als stummer Begleiter aus dem  Orchestergraben. „In diesem Repertoire ist er in unserer Generation absolut unerreicht“, weiß Renée Fleming aus Erfahrung. Denn im Festspielhaus Baden-Baden haben beide, Diva und Dirigent, dem Publikum bei den Winterfestspielen 2009  einen legendären „Rosenkavalier“ geschenkt. Auch die Mezzosopranistin Sophie Koch war damals als bezaubernder Octavian mit dabei.  Sophie Koch ist in  „Ariadne“ zwar nur im ersten Teil zu hören, in der Rolle des Komponisten im so genannten Vorspiel (eine maßlose Untertreibung), dort aber, wie Renée Fleming ihrer Bühnenpartnerin neidlos zugesteht, in „einer der glorreichsten Arien für lyrischen Mezzo“. Nicht so gut kommt der Tenor weg, wenn man mit Renée Fleming über „Ariadne“ spricht: „Armer Bacchus – das ist ein brutale Rolle.“ Aber dazu hat Robert Dean Smith in unserer Reihe „Ariadnes Anhang“ ja schon alles gesagt...

Zur Rolle Ariadne/Primadonna

In „Ariadne auf Naxos“ gibt es immer zwei Wahrheiten. Manchmal fein getrennt in „Vorspiel“ und eigentliche „Oper“, manchmal eng verwoben als Komödie in der Tragödie, als Todesschmerz in Liebeslust  oder „heilige Kunst“ in der Partybeschallung.
Keine Rolle ist dieser Spannung stärker unterworfen als die  Doppelrolle der Ariadne/Primadonna. Die Primadonna des Vorspiels ist zickig, neidisch, eingebildet, gönnt dem Tenor keine Note („Armer Bacchus…“) und den Komödianten um Zerbinetta keinen Blick. Doch dann verwandelt sie sich in eine Bühnen-Ariadne – und wird zum Menschen, der uns (als Kunstfigur) am nächsten steht.  Aus der todeslüsternen Trauer über Verrat und Treulosigkeit des Geliebten wird sie gerettet von einer neuen Liebe, die göttlich ist – oder besser, ein Göttergeschenk für Menschen. Bacchus macht Ariadne Angst, weil er sie verwandelt und zu einem neuen Leben zwingt. „Was hängt von mir in deinem Arm?/ O, was von mir, die ich vergehe.“ Die Oper vergeht gleich mit, und zurück bleibt ein Publikum, das auf den nächsten Götterkuss wartet.

Zur Person: Renée Fleming

Die amerikanische Sopranistin Renée Fleming gilt als die Strauss-Interpretin unserer Tage. Immer nobel, immer makellos passt ihre Ausstrahlung perfekt zum gleißenden  Leuchten der Strauss´schen Musik. Dennoch ist sie vielseitiger, als man es von einer Diva erwarten würde. Sie hat Jazz mit dem Pianisten Brad Mehldau gesungen und eine CD mit Musik aktueller Bands aufgenommen, die selbst Rockfans nicht ausnahmslos geläufig sein dürften. An der Met in New York zählt sie zur Handvoll absoluter Superstars: als erster Sängerin überhaupt widmete ihr das Haus eine Saison-Eröffnungsgala. In Met-Liveübertragungen von Händels „Rodelinda“ bis Strauss´ „Capriccio“ strahlte sie weltweit über die Kinoleinwände.  Im Festspielhaus Baden-Baden sang Renée Fleming 2009 die Marschallin im „Rosenkavalier“, im selben Jahr gab sie einen Liederabend mit Werken von Strauss und zeitgenössischen Komponisten. Und weil es in „Ariadne“ ja auch um die Liebe geht: Renée Fleming ist am Valentinstag geboren  und hat erst vor wenigen Monaten (zum zweiten Mal) geheiratet…

Robert Dean Smith über die Doppelrolle Tenor/Bacchus

„Ich werde viel Spaß haben mit diesen wunderbaren Kollegen, das weiß ich jetzt schon“ meint Robert Dean Smith enthusiastisch. Zu Strauss hat er einen klaren Standpunkt: „Ich glaube, er hat die Tenöre nicht verstanden. Anders als bei den Frauenstimmen, die er unglaublich gut führt, verlangt er vom Tenor eine Art Dauererregbarkeit in der Stimme. Die Tenorpartie ist ständig hoch – da muss man eine perfekte Technik mitbringen, um die erforderliche Intensität aufzubringen, um Jubel, Verzweiflung, Trauer darzustellen, ohne dabei die Stimme zu ruinieren, oder schlimmer noch: die Musikalität des Ausdrucks. Doch wenn die Sänger mit diesen Schwierigkeiten nicht kämpfen müssen, wenn sie also ebendiese Technik mitbringen, dann bietet diese Oper lauter unvergessliche Erlebnisse. Die letzten 25 Minuten tragen Sänger wie Publikum in großen Wogen fort von der „wüsten Insel“  -  ab ins Himmelreich“.   

Zur Rolle: Tenor/Bacchus

Die erste Handlung des Tenors? Er knallt dem Perückenmacher eine! „Das! Für einen Bacchus! Das mir aufzusetzen, mutet Er zu. Da hat Er, Lump, für seinen Bacchuskopf!“ moniert er, und versetzt ihm danach noch einen Fußtritt. Damit ist sofort klar, was für ein Charakter der „Tenor“ ist: Der Mann ist eben Operntenor. Das erklärt alles. Er ist aufgeblasen, überheblich, intrigant, nicht überintelligent. Wenn die Oper in der Oper beginnt, wandelt der Tenor als Bacchus umher. Er hat der Liebe entsagt, doch als die Ariadne sieht… erst ziert er sich (auch als Bacchus ist ein Operntenor zuallererst Operntenor), aber dann… Liebesduett, Innere Wandlung, Schluss.   

 

Zur Person: Robert Dean Smith

Neben dem Gesang hat Robert Dean Smith auch Saxophon studiert und in verschiedenen klassischen und Jazz-Ensembles gespielt. Doch die Begabung als Sänger erwies sich als stärker. Wie viele Heldentenöre begann auch Robert Dean Smith seine Karriere als Bariton. Erst durch die Zusammenarbeit mit seiner Stimmlehrerin Janice Harper wechselte er in den Tenorfach – und blieb gleich ganz bei Janice Harper: Aus der Lehrerin wurde schließlich die Ehefrau. Robert Dean Smith ist hingegen auf allen großen Bühnen zu Gast, tritt als Tristan, Siegmund, Stolzing und Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen auf und arbeitet bevorzugt mit Christian Thielemann. 

 

David Jerusalem über die Rolle des „Perückenmachers“

Als Perückenmacher ist David Jerusalem bereits zum zweiten Mal im Festspielhaus zu Gast. In der Produktion „Salome“ war er als „erster Soldat“ dabei. Es freut ihn sehr, dass er für die „Ariadne auf Naxos“ erneut eingeladen wurde. „Allein die Möglichkeit zu haben, mit solchen Sängerkollegen auf der Bühne zu stehen und einem Dirigenten wie Christian Thielemann, das ist eine Erfahrung, die man nicht überall machen kann. Als junger Sänger kann man sich an diesem hohen internationalen Niveau orientieren und viel lernen“ 

Zur Rolle: Der Perückenmacher

Es ist nicht die kürzeste Rolle in der „Ariadne auf Naxos“. Insgesamt besteht diese Partie aus gerade Mal zweieinhalb Sätzen. Aber die haben es in sich. Die Szene mit dem Perückenmacher wirft ein kurzes Schlaglicht auf die Arbeit hinter den Kulissen und die Eitelkeiten der Mitwirkenden. Der Tenor stürmt in die Garderobe und beschwert sich beim Perückenmacher – heute würde man sagen beim „Maskenbildner“ – über die zottelige Mähne, die er aufsetzen soll. Der Perückenmacher antwortet in gestelztem Deutsch: „Habe meinerseits keine Ursache wegen meiner Leistungen ihnen gegenüber zu erwarten.“

 

Zur Person: Der Bass David Jerusalem

Bereits mit 12 Jahren stand der 27jährige Bass David Jerusalem auf der Opernbühne: als Nibelung in Wagners „Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen. In dieser Produktion war damals sein Vater, der Tenor Siegfried Jerusalem, als „Loge“ besetzt. 

Die Oper „Der Ring des Nibelungen“ hat David Jerusalem übrigens auf eigenen Wunsch bereits im Alter von fünf Jahren in voller Länge gesehen, nachdem er seine Eltern dazu überredet hatte. Durch seinen Vater ist David Jerusalem schon früh mit der Oper in Kontakt gekommen. Und er sang insgesamt acht Jahre lang beim Windsbacher Knabenchor. Doch mit Blick auf seinen Vater wollte er zunächst nicht Sänger werden. Nach dem Abitur ging er daher zunächst als Aupair nach Kanada. Dort merkte er allerdings, dass ihm das Musiktheater fehlte und er nahm noch vor Ort Gesangsunterricht. Zurück in Deutschland studierte er in Augsburg und Nürnberg. „Ich sagte mir, dass ich mich ärgern würde, wenn ich es nicht zumindest versuchen würde.“ 

Neben seinem Studium übernahm David Jerusalem bereits Partien in kleineren Opernproduktionen. So sang er beispielsweise an der Kammeroper München, im Parktheater Göggingen oder in Bad Kissingen. „Solche Produktionen bringen als Ergänzung zur Ausbildung unglaublich viel“, sagt er über die Erfahrungen, die er dort sammeln konnte. Zurzeit absolviert David Jerusalem sein „Künstlerisches Aufbaustudium“ in Düsseldorf. Seit dieser Spielzeit ist er außerdem Mitglied des Opernstudios der „Deutschen Oper am Rhein“ und wird danach für zwei Jahre fest dem Ensemble der Oper angehören. 

Bisher hat sich seine Karriere als Sänger gut entwickelt. Zu seinem Vater hat er eine gute Beziehung, sagt er. „Er steht mir mit Rat und Tat zur Seite, wenn ich Fragen habe, aber er drängt sich nicht auf.“ Dabei ist David Jerusalem froh, dass er nicht die gleiche Stimmlage wie sein Vater hat und der direkte Vergleich nicht möglich ist. „Sonst hätte ich mir das mit dem Singen vielleicht noch überlegt.“ 

 

Sophie Koch über die Rolle "Der Komponist"

Sophie Koch © Patrick Nin

Der Komponist in der „Ariadne auf Naxos“ gehört zu Sophie Kochs Paraderollen. Mit dieser Hosenrolle stand sie bereits an der Wiener Staatsoper und an der Pariser Oper auf der Bühne. Sophie Koch freut sich immer, wenn sie auf Deutsch singen kann. Denn das ist neben Französisch die Sprache, die ihrer Meinung nach besonders gut zum Gesang passt. Grundsätzlich ist sie bereit, sich als Darstellerin auf die Ideen und Konzepte eines Regisseurs einzulassen. Aber es gibt Grenzen, die sie nicht überschreitet. Alles, was vulgär ist oder mit dem Stück nichts zu tun hat, lehnt sie ab. Doch da muss sie bei dem Regisseur der „Ariadne“, Philippe Arlaud auch keine Angst haben. 

Zur Rolle: Der Komponist

Die Figur des Komponisten spielt vor allem im ersten  Teil der „Ariadne auf Naxos“, im sogenannten Vorspiel, eine tragende Rolle. Der junge und sensible Künstler durchläuft hier ein Wechselbad der Gefühle. Sein Werk, in das er so viel Herzblut investiert hat, soll endlich aufgeführt werden, dank der großzügigen Unterstützung eines reichen Mäzens. Doch als es endlich soweit ist, muss er durch seinen Lehrer erfahren, dass seine Oper zusammen mit einem Lustspiel aufgeführt werden soll. Empört will er das Werk sofort zurückziehen. Er sieht seine Kunst nicht richtig gewürdigt. Noch dazu machen sich die Komödianten über seine ernste und wohl etwas langweilige Oper lustig. Es ist die kokette Zerbinetta, die den unglücklichen Jüngling umstimmt. Er verliebt sich, schöpft wieder neuen Mut und zeigt sich seinem Lehrer gegenüber plötzlich überschwänglich begeistert von der „heiligen Musik“. Die Vorstellung kann stattfinden. 

Zur Person: Sophie Koch

Als Kind begeisterte sich die französische Mezzosopranistin Sophie Koch für die Operndiva Jessye Norman und las auch sonst viel über Sänger.  In einem Interview mit dem Magazin „Takt“ der Bayerischen Staatsoper erzählt sie, dass sie selbst allerdings erst Gesangsunterricht nahm, nachdem sie der Leiter des Universitätschores an der Sorbonne nicht in seinen Chor aufnehmen wollte. Ihre Gesangslehrerin bestärkte ihre Schülerin schließlich darin, weiter zu studieren. Bereits während ihres Studiums am Conservatoire de Paris gewann Sophie Koch den angesehenen Gesangswettbewerb in s’Hertogenbosch. Nach ersten Engagements in Frankreich hatte sie ihren internationalen Durchbruch im Jahr 1998 am Royal Opera House in London. Danach ging es mit ihrer Karriere steil nach oben. Sophie Koch musste sich nie fest an ein Opernhaus binden und zählt mittlerweile zu den meist gefragten Sängerinnen ihres Fachs. Unter anderem gastiert sie an der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, der New Yorker Met und der Dresdner Staatsoper. Zu ihren Paraderollen gehören u.a. der Octavian aus dem „Rosenkavalier“, den sie u.a. mit großem Erfolg im Festspielhaus Baden-Baden sang, die Rosina aus „Der Barbier von Sevilla“ oder der Cherubino aus „Figaros Hochzeit“. Dabei deutet sich immer stärker ein Wechsel ins dramatische Fach an. So singt sie mittlerweile auch die Brangäne aus dem „Tristan“ oder die Fricka aus „Rheingold“. 

Jane Archibald über die Figur der Zerbinetta

Figurine "Jochanaan". ©Bettina Walter Foto: © Christian Steiner

Für die Sopranistin Jane Archibald ist die Figur der Zerbinetta schon fast so etwas wie eine Freundin geworden. Es gibt bisher keine Rolle, die sie so häufig gesungen hat. Als Zerbinetta stand sie u.a. schon in München, Berlin, Toronto und Paris auf der Bühne. Trotzdem ist die Partie für sie immer noch eine Herausforderung. In dieser Rolle normalerweise viel Aktion und Bewegung von ihr verlangt. Wegen der komplexen Koloraturen muss sie deshalb immer sehr überlegt ihre Kräfte auf der Bühne einteilen. Dabei findet sie es langweilig, Zerbinetta ausschließlich als das kokette Mädchen zu spielen. In jeder Produktion versucht sie von neuem, andere Seiten dieser Figur herauszuarbeiten. Sie glaubt, dass Zerbinetta eine genauso tiefe Liebe empfindet wie Ariadne. Sie verbirgt ihre Gefühle nur auf eine andere Art. Aus Angst verletzt zu werden, habe sie immer mehrere Liebhaber bei der Hand. Jane Archibald ist nun sehr gespannt wie Philippe Arlaud, der Regisseur der Produktion im Festspielhaus, die Figur der Zerbinetta deutet. 

Zur Rolle: Zerbinetta

Zerbinetta ist eine der Schlüsselfiguren in „Ariadne auf Naxos“ - und das auf beiden Ebenen: in der Oper selbst und im Stück im Stück. Nur weil sie mit dem Komponisten flirtet, ist der sensible Künstler überhaupt erst damit  einverstanden, seine ernste Oper mit einem Lustspiel zu kombinieren. Im Lustspiel wiederum steht  die Figur der kecken Zerbinetta ganz in der Tradition der Commedia dell‘ Arte.  Mit ihren vier Liebhabern bildet sie einen Gegenpol zur starren Treue der Ariadne. Richard Strauss lässt in der „Ariadne“ zwei gängige Opernformen, die Opera semiseria und die Opera buffa, aufeinander treffen bzw. vermischt sie miteinander. Dabei verkörpert Zerbinetta die Opera buffa. 

Zur Person: Jane Archibald

Jane Archibald ist bekannt für ihre traumwandlerisch sicheren Koloraturen und ihre zart schwebenden Piani. Zu ihren Paraderollen gehört daher neben der Königin der Nacht unter anderem auch die Zerbinetta in der „Ariadne auf Naxos“. 
1977 wurde Jane Archibald in Nova Scotia (Kanada) geboren. Mit zwölf Jahren hatte sie zum ersten Mal Gesangsunterricht. Nebenbei spielte sie Trompete in der Schulband und nahm Cello- und Klavierstunden. “Auf den Instrumenten war ich nur Mittelmaß, aber ich liebte es zu singen“, erzählt sie in einem Interview mit MusicalCriticism.com.

Sie studierte Gesang an der  Wilfrid Laurier University in Kanada, am Orford Arts Center und am Tanglewood Music Center. Nach ihrem Studium trat sie zunächst hauptsächlich in ihrer Heimat auf.  An der Oper in San Francisco absolvierte sie schließlich das Merola Opera Program und zählte dort zu den Adler Fellows. Die zwei Jahre in San Francisco betrachtet sie rückblickend als großartige Erfahrung. Dort wurde auch die europäische Opernagentin Pamela Rosenberg auf sie aufmerksam, durch die sie mehrere Auftritte in Europa vermittelt bekam und für zwei Jahre Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper wurde. 
Denn in Wien musste sie teilweise innerhalb von kurzer Zeit mehrere Partien erarbeiten, oft ohne irgendeine Orchesterprobe und ohne das Kostüm vorher überhaupt probiert zu haben. “Durch die Zeit in Wien bin ich als Sängerin für alles gewappnet“, sagt sie. 

Zurzeit kann sich Jane Archibald nicht über Arbeitsmangel beklagen. Auf den großen Opernbühnen ist sie ein gern gesehener Gast, unter anderem beim Festival in Aix-en-Provence, an der Opéra National Paris, der Scala die Milano, am Festspielhaus Baden-Baden und am Royal Opera House Covent Garden London. 

Ariadne auf Naxos

18. Februar 2012, 19 Uhr (Premiere) ›› Tickets
22. Februar 2012, 19 Uhr ›› Tickets
25. Februar 2012, 19 Uhr ›› Tickets