Festspielhaus Baden-Baden

Kolumbus Schule

Giora Feidman

Zum 75. Geburtstag

Ein Blick durch die Lupe

 

 

Foto: Pianissimo Musik GmbH

 

 

Kann Hip-Hop Klezmer sein?

(von Dr. Aaron Eckstaedt)

Was ist eigentlich Klezmer? Die Antwort könnte ganz einfach lauten: Klezmermusik ist die traditionelle Tanz- und Festmusik der osteuropäischen Juden, die früher, also bis vor vielleicht 100 Jahren, vor allem auf Hochzeiten gespielt wurde. Hier könnt ihr euch ein Beispiel mit Giora Feidman anhören. Heute ist sie wieder modern geworden, und sie wird nicht mehr nur auf jüdischen Hochzeiten, sondern auf der ganzen Welt gespielt.

Warum aber spielen dann die Klezmatics, die bekannteste amerikanische Klezmerband, eine Musik, die mehr nach Pop und Rock und gar nicht so wie vor 100 Jahren klingt? Warum gibt es Klezmerbands, die Hip-Hop spielen, und warum sagt Giora Feidman, einer der bekanntesten Klezmer-Klarinettisten, dass auch Schubert Klezmer sein kann?

Die Antwort auf all diese Fragen liegt in der Entwicklung der Klezmermusik . Vor 100 Jahren gab es einen bestimmten Vorrat an Stücken, die man immer noch als Kernrepertoire der Klezmermusik bezeichnet. Diese Stücke entstanden in Osteuropa und klingen auch fast genauso wie andere osteuropäische - z.B. rumänische - Volksmusik. Meist werden diese Klezmerstücke immer noch mit den Instrumenten gespielt, die es damals eben gab. Besonders Geige, Klarinette und Blechblasinstrumente sind wichtig. Dass die Musik dabei so „schluchzend“ und so merkmürdig nach Moll klingt, liegt einfach daran, dass man die Tonleitern und den Gesangsstil des Kantors aus der Synagoge übernahm.

Die meisten osteuropäischen Juden wurden während des Holocaust (auf Hebräisch sagt man: Shoah) ermordet oder wanderten nach Amerika und Israel aus. Traditioneller Klezmer geriet auf diese Art und Weise langsam in Vergessenheit, und erst vor wenigen Jahrzehnten begannen einige amerikanische Musiker wieder, nach der Musik ihrer Großeltern zu forschen. Die alten Klezmerstücke spielten moderne Musiker nun manchmal auch so, wie sie es eben gewohnt waren, z.B. eher jazzig oder rockig. Da sie aber auch bei neuen und fremden Stücken die Tongebung und die Skalen der Synagoge beibehielten, konnte man ihre Musik immer als „klezmerisch“ erkennen – egal, ob nun ein E-Bass und ein Drumset mitspielten oder ob sie englische Texte sangen. Giora Feidman machte Klezmer wieder in Israel und später in Deutschland bekannt. Da er in Argentinien geboren wurde und in einem israelischen Sinfonieorchester Klarinette spielte, spielt er auch viele Tangos und klassische Musik so, dass sie wie Klezmer klingen.

Klezmer kann also vieles sein: eine musikalische Tradition und ein Interpretationsstil, ein Bereich der Weltmusik und auch ein Bestandteil jüdischer Identität. Hört euch die Musikbeispiele von Feidman an: Wo klingt es klezmerisch, wo jazzig, wo klassisch? Und woran liegt es, dass dieser Höreindruck zustande kommt?

Giora Feidman - Mazel Tov 
Giora Feidman - The Entertainer
Giora Feidman - El Choclo Tango Klezmer


Ein Blick in die Künstlergarderobe

Giora Feidman oder „Musik ist die Sprache des Herzens“


(von Charlotte Zörner und Thade Buchborn)


Giora Feidman erklärt seine Klarinette zum „Mikrophon seiner Seele“ und so scheint es nicht weiter verwunderlich, dass der Musiker seinem Instrument eine ‚menschliche Stimme’ verleiht. Sie lacht, weint, schreit oder klagt. Mit dieser "Stimme" übermittelt Feidman nicht "nur" Töne, sondern Botschaften: „Musik repräsentiert Einheit und Frieden. Sie zeigt dir einen Platz auch in den schlimmsten Momenten des Lebens. Und sie zeigt dir das ganze Potential des Lebens auf“ (Feidman in einem Gespräch während der Proben).
Giora Feidman gilt als einer der großen Stars der wieder entdeckten osteuropäischen Klezmer-Musik.  Die Diskographie Feidmans zeigt aber ebenfalls die Vielseitigkeit in seiner Musik: Neben den Klezmer-CDs veröffentlichte Feidman Produktionen mit klassischer Musik in allen Besetzungen, Opern, Tangos und Filmmusiken.

 

Foto: Felix Broede

 

Zu seinem 75-jährigen Geburtstag spielt der international gefeierte Virtuose und musikalische Botschafter des Friedens im Festspielhaus ein Konzert mit Weggefährten und Freunden:

Giora Feidman: Klarinette
Enrique Ugarte: Akkordeon / Klavier   
Avi Avital: Mandoline
Jens-Uwe Popp: Gitarre
Guido Jäger: Kontrabass
Murat Coskun: Percussion
Raul Alvarellos: Piccoloflöte

 

Arbeitsmaterial für Schulklassen

Klassenraum (Arbeitsmaterial zum Herunterladen):

Klezmer - "Hevenu shalom alachem" in neuem Gewand?

Arbeitsmaterial für Klassenorchester

 (Dieses Arbeitsmaterial zum Herunterladen wurde mit freundlicher Unterstützung des Regierungspräsidiums Karlsruhe erstellt.)